Verbesserung des Konsumklimas
Weihnachtshandel mit gemischten Gefühlen

Der Endspurt kurz vor dem Fest hat das Weihnachtsgeschäft im Handel gerade noch gerettet. Jetzt soll der Aufschwung kommen.

HB DÜSSELDORF.Das Konsumklima in Deutschland hellt sich auf. Nach ersten Berechnungen der Nürnberger Marktforschungsgesellschaft GfK wird seit Dezember in Deutschlands Einzelhandelsgeschäften wieder stärker eingekauft. „Trotz eines zunächst schlechten Novembers können wir nun sagen: Das Weihnachtsgeschäft hat das Vorjahresergebnis mit Sicherheit erreicht“, sagte GfK-Marketingchef Wolfgang Twardawa gestern dem Handelsblatt. Endgültige Zahlen will das Institut Ende Januar vorlegen.

Beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) ist der Optimismus dagegen noch gedämpft. „Die Wiederholung des schwachen Vorjahresgeschäfts ist noch nichts, was uns in Hochstimmung versetzt“, sagt Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Auch GfK-Marktforscher Twardawa gesteht ein, dass die Hürde in diesem Jahr niedrig lag, verweist aber auf einen deutlichen Umschwung im Dezember: Insbesondere die letzte Adventswoche habe das Weihnachtsgeschäft gerettet, berichtet er. Und auch in den ersten Januartagen seien die Geschäfte überraschend voll gewesen, was möglicherweise aber an den umfangreichen Rabattaktionen vieler Händler gelegen habe.

Gleichzeitig beobachtet die GfK eine generelle Verbesserung des Konsumklimas. Die monatliche Studie der Nürnberger ermittelte unter Deutschlands Verbrauchern im Dezember einen Anstieg der Anschaffungsneigung um 10,2 Indexpunkte auf einen Wert von plus 2,1. Einen so hohen Indexwert hatte die GfK zum letzten Mal vor der Einführung des Euros Ende 2001 errechnet.

„Die Sparguthaben der Bundesbürger sind hoch“, berichtet Twardawa. „Nun sagen sich offenbar immer mehr Verbraucher: Ich gönne mir etwas.“ Die jüngsten Beschlüsse der neuen Bundesregierung wirkten sich zwar nur für wenige Einkommen positiv aus, nach den Koalitionsvereinbarungen seien die privaten Ausgaben aber wieder planbar geworden. „Womöglich kam das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr einen Monat zu früh“, kommentiert Ulrich Eggert, Chef der Kölner Unternehmensberatung BBE, den verspäteten Konsumaufschwung. Das Wirrwarr in Berlin zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts habe die Verbraucher zunächst im November verunsichert.

Doch nicht alle Branchen profitierten im Weihnachtsgeschäft gleichermaßen von einer anziehenden Nachfrage, wie die GfK ermittelt hat. Am stärksten legten die Verkäufe von Flachbildfernsehgeräten und Unterhaltungselektronik zu – zum Teil auch wegen der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Auch Spielzeug-Klassiker wie Lego oder Holzspielzeug waren deutlich stärker gefragt als in der Vergangenheit. Selbst Digitalkameras erlebten trotz inzwischen hoher Marktsättigung noch einmal einen Nachfrageboom.

Weniger zufriedene Gesichter dürfte es nach den Berechnungen der Nürnberger Marktforscher im Lebensmitteleinzelhandel gegeben haben. Die Supermarktbetreiber, die trotz Konsumkrise bislang immer noch leicht gewachsen waren, kamen im vergangenen Weihnachtsgeschäft über das Vorjahresniveau nicht hinaus. Vor allem das Geschäft mit Süßwaren und Spirituosen, das üblicherweise in der Adventszeit deutlich anzieht, verlief in diesem Jahr durchwachsen.

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