Verbraucher können sich auf günstigere Preise freuen
Die letzten Handelsschranken für Textilien sind gefallen

Anfang 2005 sind weltweit die letzten Handelsschranken für Textilien gefallen. Damit endet eine 30 Jahre währende Ära, in der die europäische und nordamerikanische Textilwirtschaft vor Billigimporten geschützt wurde. Welche gravierenden Veränderungen sind zu erwarten?

DÜSSELDORF. Zwar wurden die Handelsbeschränkungen - unter Schirmherrschaft der Welthandelsorganisation WTO - bereits in den vergangenen zehn Jahren schrittweise gelockert, doch bestanden im Jahr 2003 noch knapp zwei Drittel der Importe auf den europäischen Markt aus Warengruppen, deren Handel durch die Quotenregelung eingeschränkt war. Der Löwenanteil des Textilhandels wird also erst jetzt durch den vollständigen Wegfall der Quoten liberalisiert - mit großen Auswirkungen auf den globalen Textilmarkt. Die treibende Kraft hinter den Umwälzungen ist das Land mit den höchsten Produktionskapazitäten und (nahezu) niedrigsten Produktionskosten für Textilwaren: China. Bereits die letzte Quotenlockerung Anfang 2002 hat dazu geführt, dass China seinen Marktanteil an den weltweiten Exporten in den betreffenden Warengruppen von 9 auf über 50 Prozent steigern konnte. Nun könnte sich der Anteil der Textilimporte nach Europa nochmals um mehr als 50 Prozent erhöhen - und zwar auf Kosten praktisch aller anderer Exportländer und der heimischen Hersteller.

Anbieter von preisgünstiger Standardware unter Druck

Welche Länder dem höchsten Anpassungsdruck unterliegen, kann man schon heute auf Basis von Produktionsstruktur und angebotenen Produktkategorien erahnen. Hart betroffen sind Länder, die Standardware zu möglichst niedrigen Preisen anbieten. Das gilt für die meisten Länder Osteuropas sowie die Türkei, die langfristig Probleme haben werden, ihre Massenware zu wettbewerbsfähigen Preisen zu liefern. Deshalb sollten sie sich auf höherwertige Textilien und vor allem auf „fast fashion“ spezialisieren. Das ist Mode, die kurzfristig auf den Markt gebracht werden kann. So können sie den Vorteil der räumlichen Nähe zum europäischen Endverbraucher ausspielen. Eine solche Umstrukturierung des Sortiments lässt sich schon heute in der Textilindustrie Mittel- und Südamerikas beobachten.

Nach Wegfall der Quoten werden sicherlich die Einkauspreise des Handels für Textilien und Bekleidung sinken. Denn für sämtliche Importe aus China entfallen die Quotenkosten, die Hersteller aufbringen mussten, um ein bestimmtes Warenkontingent exportieren zu dürfen. Sie betrugen bis zu 30 Prozent des Einkaufspreises. Zweitens verlagert sich durch den Wegfall der mengenmäßigen Beschränkungen die Textilproduktion noch stärker in Länder mit niedrigen Herstellungs- und Lohnkosten wie China oder Indien.

Last not least werden verstärkt billigere Artikel angeboten, denn die Quoten bezogen sich stets auf die Warenmenge und nicht den Warenwert, so dass bisher vornehmlich höherwertige Produkte exportiert wurden. Da sich China mit dem Beitritt zur WTO überdies verpflichtet hat, seine Importzölle bis 2010 zu senken bzw. aufzuheben, lassen sich Stoffe und Garne kostengünstiger in die Volksrepublik einführen und dort verarbeiten.

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