Verbraucherportal
Verivox kassierte bei Teldafax ab

Das Verbraucherportal Verivox hat nach Angaben von Insidern geplante Preise von Konkurrenten an den inzwischen insolventen Stromanbieter Teldafax weitergegeben. Diesen „Sonderservice“ ließ sich Verivox gut bezahlen.
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DüsseldorfEin ehemaliger Manager bestätigte dem Handelsblatt (Freitagausgabe) an Eides statt, dass Verivox geplante Preise von Konkurrenten an Teldafax weitergab. Auf diese Weise habe Teldafax seine eigenen Preise so anpassen können, dass Teldafax in den Ranglisten von Verivox fast permanent die obersten Plätze belegte und so zahlreiche Kunden gewann – oft 10.000 und mehr pro Monat.

„Alle Stromanbieter mussten Preisänderungen mit zwei Wochen Vorlauf an Verivox melden, damit die Infos in die Vergleichssoftware eingepflegt werden konnten“, sagte der Ex-Manager von Teldafax dem Handelsblatt. „Der zuständige Mitarbeiter von Verivox sprach regelmäßig mit unserer Führung. So wussten wir, wann Konkurrenten Sonderangebote starten würden. Dann haben wir die Preise angepasst und standen im Verivox-Ranking weiter oben.“

Diesen „Sonderservice“ ließ sich Verivox laut Zeugenaussage gut bezahlen. Bis zu 130 Euro flossen für jeden Kunden, der über das Vergleichsportal zu Teldafax kam, an Verivox – mehr als das Doppelte der üblichen Provision. Verivox habe so regelmäßig mehr als eine Million Euro pro Monat vereinnahmt. Verivox bestritt auf Anfrage die Weitergabe von Daten und sprach von „Verleumndung“, machte aber zu der Höhe der Provision keine Angaben. Verivox wisse, dass solche Vorwürfe kursierten und habe deshalb Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

Der Troisdorfer Stromanbieter Teldafax stieg 2007 in den Markt ein und gewann mit seinen Kampfpreisen in rasendem Tempo Kunden. Denn die Firma bot den Strom gegen Vorkasse billiger an, als sie ihn einkaufte. Die ruinösen Lockangebote führten jedoch in die Insolvenz. Rund 800  000 Kunden warten seit Juni 2011 auf die Rückzahlung ihrer meist voraus bezahlten Jahresrechnung. Mehr Gläubiger hat es bei einer Insolvenz in Deutschland nie gegeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt – auch wegen gewerbsmäßigem Betrug.

Die Verbindung von Verivox und Teldafax ist inzwischen auch dem Insolvenzverwalter von Teldafax, Biner Bähr, aufgefallen. „Wir kennen die Vorwürfe gegen Verivox“, sagte Wolfgang Weber-Thedy, der Sprecher von Bähr. Dieser prüfe nun Ansprüche gegen Verivox prüfe. Weber-Thedy sagte dem Handelsblatt: „Der Insolvenzverwalter ist verpflichtet, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Masse für die Gläubiger zu mehren.“

 

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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