Verbraucherschützer empört
Margarine und Joghurt auf Rezept

Gibt es bald Karotten und Orangen auf Rezept? Das klingt utopisch, aber unwahrscheinlich ist es nicht. In Frankreich sollen ab kommendem Jahr Joghurts und Margarine von Krankenversicherungen erstattet werden.

PARIS. Zwei Joghurthersteller haben mit französischen Versicherungsunternehmen entsprechende Abkommen geschlossen. Mit den Produkten sollen die hohen Cholesterinwerte der Franzosen bekämpft werden, lautet die offizielle Begründung. Doch Verbraucherschützer sind empört über die neue Marketingstrategie.

Lebensmittelhersteller Unilever hat sich mit der Kranken-Zusatzversicherung Maaf zusammengeschlossen. Maaf verspricht ihren Mitgliedern ab 2006 bis zu 40 Euro Erstattung im Jahr, wenn sie cholesterinsenkende Lebensmittel der Unilever-Gruppe kaufen. Dazu gehören Joghurts und Margarine der Marke Fruit d`Or Pro-Activ. Die Versicherten müssen nur die entsprechenden Strichcodes auf den Packungen sammeln und zusammen mit dem Kassenbon einreichen. Maaf und Unilever erklärten: „Wir wollen die Verbraucher für eine angemessene Ernährung sensibilisieren.“

Die französische Konkurrenz Danone hat mit seiner Marke Danacol für das kommende Jahr etwas Ähnliches geplant. Der Joghurthersteller will ein Abkommen mit dem Versicherer AGF treffen.

Danone und Unilever bieten seit einigen Jahren Produkte an, die bei regelmäßigem Verzehr den Cholesterin-Spiegel um zehn Prozent senken sollen. Ein Markt mit Zukunft: Jeder vierte erwachsene Franzose hat einen zu hohen Cholesterin-Spiegel. Mit der Anerkennung der Joghurts durch die Krankenkassen tritt der Kampf um die Marktanteile der Anticholesterin-Produkte in eine neue Phase. Unilever hat das seit einem Jahr schon in Holland mit dem Versicherer VGZ getestet – dabei stieg der Verkauf der Produkte um 25 Prozent an. Diese Art von Marketing mit dem „Gesundheitsargument“ macht in Europa Schule. So honorieren in Deutschland Krankenkassen schon Fitness-Aktivitäten mit Rabatten.

Frankreichs Verbraucherschützer kritisierten dagegen das Projekt. „Diese Instrumentalisierung des Themas Gesundheit für Marketingzwecke ist skandalös. Das verwischt die Grenzen zwischen Nahrungsmitteln und Medikamenten“, so die Organisation UCF-Que Choisir.

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