Verbraucherschützer: "Vorbildlich"
Stromversorger dürfen Preise nicht erhöhen

Die Strompreise in Hessen werden entgegen den Planungen der Versorger ab Januar nicht steigen. Hessens Wirtschaftsministerium lehnte am Sonntag die beantragten Anhebungen von bis zu sieben Prozent komplett ab.

HB BERLIN. „Die Strompreise für 3,7 Millionen private und gewerbliche Kunden werden nicht erhöht, sondern bleiben stabil“, sagte Minister Alois Rhiel (CDU). Alle 50 Stromunternehmen für Hessen und Nachbargebiete hatten Ende September um durchschnittlich sechs Prozent höhere Preise verlangt. Rhiel betonte: „Diese Entscheidung ist Teil des Kampfes gegen überhöhte Energiepreise in Deutschland.“ Weitere Belastungen seien den Haushalten nicht mehr zuzumuten. Die Kostensituation der Konzerne rechtfertige die Anhebungen auch nicht.

Viele Regionalversorger und Konzerne wie Eon und RWE erzielten Umsatzrenditen von mehr als zehn Prozent. Die Gewinne entstünden, weil es weiter Regionalmonopole in Deutschland gebe. Der Bundesverband Verbraucherzentralen lobte das Vorgehen Hessens und empfahl es anderen Ländern zur Nachahmung. „Der Wind hat sich gedreht“, erklärte die Vorsitzende Edda Müller.

Insgesamt hätten die verlangten Preiserhöhungen den Firmen Rhiel zufolge bis zu 100 Millionen Euro zusätzlich gebracht. Für einen Vier-Personen-Haushalt würde dies jährliche Mehrkosten von 40 Euro bedeuten. Hessen war kürzlich bereits gegen Aufschläge beim Gaspreis vorgegangen und hatte nur deutlich geringere Erhöhungen genehmigt.

Die Länder müssen derzeit noch die Preiserhöhungen billigen. Nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz wird diese Genehmigungspflicht der Länder aber durch die Netzagentur abgelöst. Diese wird künftig alle Netz-Durchleitungspreise für Strom und Gas kontrollieren. Sie machen gut ein Drittel des Strompreises aus.

Rhiel hatte bereits am Donnerstag deutlich gemacht, dass er die Forderungen der Konzerne für überzogen hält und nicht genehmigen wird. Er forderte sie nun auf, die Erhöhungen zurückzuziehen oder eine ausführliche Begründung nachzuliefern.

In Kreisen der Energiebranche hatte es noch geheißen, man hoffe auf Preissteigerungen in Höhe von etwa 3,5 Prozent. Der Versorger Mainova habe gut sieben Prozent gefordert und die Eon-Tochter EAM etwa sechs Prozent.

Müller von den Verbraucherzentralen nannte das Vorgehen Rhiels vorbildlich. „Die zuständige Wirtschaftsminister der anderen Bundesländer sind jetzt in der Pflicht, der hessischen Initiative zu folgen und die Strompreiserhöhungen nicht zu genehmigen.“ Allein bei Privathaushalten könnten Kosten um zwei bis drei Milliarden Euro gesenkt werden, wenn überhöhte Gewinne der Netzmonopolisten reduziert würden, sagte Müller mit Blick auf die künftige Aufgabe der Netzagentur.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%