Verbraucherschutz Warum Tabak und Zucker Regeln brauchen

Die EU erzwingt Schockfotos auf Zigarettenschachteln, die USA führen Zuckerangaben bei Softdrinks und Lebensmittel ein. Das ist weniger Regulierungswahn als eine Hilfe für den mündigen Verbraucher. Ein Kommentar.
Die bisherigen Regelungen reichen nicht aus, um gegen die zunehmende Verfettung der Menschen in den westlichen Überflussgesellschaften anzugehen. Quelle: AP
Übergewicht

Die bisherigen Regelungen reichen nicht aus, um gegen die zunehmende Verfettung der Menschen in den westlichen Überflussgesellschaften anzugehen.

(Foto: AP)

HamburgSelten bekommt eine Branche so schnell Bestätigung: Vor der Einführung von Schockbildern auf Zigarettenschachteln warnt die Tabakbranche unisono, dass bald auch andere Branchen ins Visier der Verbraucherschützer weltweit geraten würden.

Nun ist es so weit. Am selben Tag, an dem die Schockbilder kommen, wird bekannt, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA der Lebensmittelbranche vorschreiben wird, den Anteil an zugesetztem Zucker künftig auf den Verpackungen auszuweisen. Das soll im Kampf gegen das Übergewicht helfen, den die Obama-Regierung vorantreibt.

Geraten die westlichen Demokratien in einen Regulierungswahn? Tabak- und Lebensmittelkonzerne argumentieren, den Verbrauchern heute seien die Risiken ihrer Produkte bewusst. Sie könnten daher schon bislang eine bewusste Wahl treffen. Weitere Regelungen seien daher unnötige Eingriffe.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Werbemillionen der Industrie fließen schließlich nicht in Aufklärungskampagnen, sondern in Markenbildung. Und die lebt nun einmal von der schönen Illusion. Erst die Regulierung zwang die Tabakbranche, von den Werbeaussagen der 1950er- und 1960er-Jahre abzuweichen, die Rauchen sogar als gesundheitsförderlich darstellte. Noch das HB-Männchen bewarb Zigaretten als Mittel, den Alltag cool durchzustehen.

Die zehn größten Zuckerfallen im Essen
Schokolade
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Das Magazin Öko-Test hat 34 Lebensmittel auf ihren Zuckergehalt untersucht und sich die Tricks der Hersteller angeschaut. Gerne wird Süßes in Herzhaftem verstecken. Das Problem: Weniger ist nichts, daher rechnen Hersteller mit Miniportionen die Zuckergehalte gerne klein.

Rangliste mit Würfelzucker
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Als Orientierung und Vergleichsmaßstab rechneten die Tester den Gehalt des süßen Giftes in enthaltene Stück Würfelzucker à drei Gramm um. Die Gehalte an Glukose, Fruktose, Saccharose, Maltose, Laktose und Galaktose wurden analysiert und mit dem deklarierten Gesamtzuckergehalt verglichen.

Platz 10: Barbecue Sauce
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Nummer zehn der Liste ist die Premium Barbecue Sauce von Boydo. Sie enthält satte 23 Stück Würfelzucker – zusätzlich wird auch noch mit Karamellsirup gesüßt. Allerdings steht auf dem Etikett nicht einfach „Zucker“, denn das ist das Produkt „ist Bio also steckt Rohrzucker drin“ kommentiert „Öko-Test“. Das ist zwar herzlich egal, Rohrzucker ist in keiner Weise gesünder als herkömmlicher Kristallzucker, aber es klingt besser. Dafür stammt herkömmlicher Kristallzucker aus heimischen Zuckerrüben, Rohrzucker aus in den Tropen angebautem Zuckerrohr. Bio eben.

Platz 9: Beeren
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Ganze 60 Prozent Cranberries enthalten Seeberger Cranberries. Die hundert Prozent voll machen Zucker und Öl. „Das ist frech“, meint Ökotest, denn das Produkt heißt sicherlich sehr absichtlich nicht „gesüßte Cranberries“ oder „gesalzene Cranberries“ „wie vergleichbare Produkte direkt daneben im Regal.“ Zusammen mit dem natürlichen Zucker der Beeren, kommt das Produkt so auf stolze 57,3 Prozent Zucker – beziehungsweise 24 Stück Würfelzucker.

Platz 8: Müsli
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Von der Deklarierung „weniger Zucker“ sollten sich Verbraucher nicht täuschen lassen. „„Weniger Zucker“ heißt nicht „wenig““, bemerkt Öko-Test zu Kölln Cerealien Zauberfleks Honig, 30 % weniger Zucker. In der Tat: 29 Stück Würfelzucker stecken in den „Cerealien“.

Platz 7: Capuccino
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„Ohne Zuckerzusatz“ – und dennoch voller Zucker, zu 45,5 Prozent nämlich, das sind 30 Stück Würfelzucker. Laut Ökotest steht „hinten, klein“ auf der Verpackung auch noch, woher der Zucker kommt: Das Produkt "Rewe beste Wahl Typ Capuccino ohne Zuckerzusatz" enthalte ihn „von Natur aus“. „Natur“, das heißt in diesem Fall Süßmolken- und Magermilchpulver. „Dreist“ nennt Öko-Test das und zieht das Fazit: „Die Werbung mit „ohne Zuckerzusatz“ ist nichts anderes als Irreführung des Verbrauchers.

Platz 6: Essig
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Der Kühne Balsamissimo Cremig Mild ist ein gutes Beispiel für Zucker durch süßende Zutaten – in diesem Fall Traubenmostkonzentrat, im Gegensatz zu den ursprünglichen Trauben garantiert Vitamin und Calciumfrei. Das Ergebnis sind 33 Stück Würfelzucker im Essig.

Sicher ist die Lage bei Tabak ernster als bei Zucker. Schließlich macht Nikotin abhängig, so dass der Gesundheitsschutz vor allem verhindern muss, dass Nichtraucher Gefallen an Zigaretten finden. Doch das aktuelle Verhalten der Lebensmittelbranche zeigt, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichen, um gegen die zunehmende Verfettung der Menschen in den westlichen Überflussgesellschaften anzugehen.

Vorstöße gehen in die richtige Richtung
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