Verdacht auf Insiderhandel
Air-Berlin-Chef hat wenig zu befürchten

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, millionenschwere Insidergeschäfte getätigt zu haben. Nachdem bekannt wurde, dass Polizisten die Firmenzentrale durchsucht haben, brach der Aktienkurs ein. Die Anleger sind in Sorge, dass Ausnahme-Manager Hunold ausfallen könnte. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung äußerst gering.

HB/tak STUTTGART/DÜSSELDORF. Am Dienstagmorgen durchsuchten Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bundesweit zehn Gebäude, darunter die Firmenzentrale des Unternehmens, wie die federführende Staatsanwaltschaft Stuttgart am gleichen Tag mitteilte. Sie wirft insgesamt sechs Personen vor, im Vorfeld des Erwerbs des Münchener Billigfliegers DBA sich mit Air-Berlin-Aktien eingedeckt zu haben.

Unter den Beschuldigten ist neben Firmenchef Hunold auch Aufsichtsrats-Vorsitzender Johannes Zurnieden. Alleine diese beiden haben nach ersten Ermittlungen Aktien für 1,47 Mill. Euro gekauft. Insgesamt geht es um eine Summe von 1,5 Mill. Euro. Die Aktien seien bereits kurz nach Abschluss einer Geheimhaltungsvereinbarung über den Beginn von Übernahmeverhandlungen erworben worden, sagte die Staatsanwaltschaft, und noch ehe eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht worden sei.

Air-Berlin-Chef Hunold verteidigte sich: „Ob und in welchem Umfang der Börsenkurs von Air Berlin nach Bekanntgabe der DBA-Übernahme steigen würde, war mehr als ungewiss.“ Ja, er habe Anfang Juni 2006 erstmals Aktien zugekauft, habe damit aber nur ein positives Zeichen für den Markt setzen wollen. Zu dem Zeitpunkt dümpelte der Kurs vor sich hin. Die Aktienkäufe seien ordnungsgemäß der Finanzaufsicht gemeldet und veröffentlicht worden, sagte Hunold, Einwände habe die Behörde nicht erhoben. „ Und weil ich bisher keine Aktien verkauft habe, konnte ich auch keinen Kursgewinn realisieren.“

Aufsichtsrat Johannes Zurnieden erklärte gegenüber dem Handelsblatt: „Ich habe kein schlechtes Gewissen. Ich fühle mich unschuldig wie ein Lamm“. Alle Aktienkäufe seien ordentlich veröffentlicht worden. „Ich glaube an den Erfolg des Unternehmens Air Berlin. Ein Sachzusammenhang mit der Übernahme der DBA bestand bei den Aktienkäufen nicht“.

Verurteilung unwahrscheinlich

Schützenhilfe bekommen Hunold und Zurnieden von Uwe Weinreich, Luftfahrtanalyst der Hypo-Vereinsbank. Dieser glaubt nicht an Insiderhandel: „Die Manager haben es aufgrund ihrer persönlichen Vermögensbestände nicht nötig.“ Seines Erachtens handele es sich höchstens um Unwissen in Bezug auf Fristen. „Air Berlin steht anderen Fluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet in Bezug auf Seriösität in Nichts nach“, sagte Weinreich dem Handelsblatt. Auch die Finanzstruktur sei grundsolide.

Doch egal, in welcher Absicht die sechs Personen gehandelt haben, eine Verurteilung ist so oder so unwahrscheinlich. Denn Insiderhandel ist schwer nachweisbar. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beklagte im Januar, dass seit 2001 von 550 Ermittlungsverfahren nur 40 mit einer Verurteilung geendet hätten. Allerdings ist bei Air Berlin zumindest die Schwelle von der Überprüfung hin zu Ermittlungen überschritten worden, was in den seltensten Fällen passiert.

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