Verdacht auf Insolvenzverschleppung
Razzia bei Teldafax

Seit Monaten geht es beim Stromdiscounter Teldafax drunter und drüber. Jetzt greift die Staatsgewalt ein. Der Vorwurf lautet auf Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betrug.
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TroisdorfErst kam der Insolvenzverwalter, dann die Kriminalbeamten. Mit einem Großaufgebot hat die Staatsanwaltschaft Bonn am Montagmorgen die Geschäftsräume des Stromanbieters Teldafax durchsucht. Mehr als ein Dutzend Mannschaftswagen trafen vor der Unternehmenszentrale in Troisdorf ein und die Beamten begannen mit der Sicherung von Dokumenten und Datenträgern. Alle Teldafax-Mitarbeiter wurden angewiesen, ihre Tätigkeit sofort einzustellen und den Anweisungen der Beamten zu folgen.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Wie die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigte, konnte Teldafax nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen der Ermittler schon seit 2008 seine Kunden nicht mehr profitabel beliefern. Doch statt die Konsequenz zu ziehen und das Geschäftsprinzip zu ändern oder das Geschäft einzustellen, baute das Management das ruinöse Modell noch aus. „Es besteht der Verdacht, dass Teldafax eine Vielzahl von Neukunden warb, um mit deren Vorauszahlungen bestehende Liquiditätslücken zu decken“, sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel. Umgangssprachlich nennt man ein solches Modell ein Schneeballsystem. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb nicht nur wegen Insolvenzverschleppung sondern auch wegen gewerbsmäßigem Betrug.

Der Verdacht richtet sich vor allem gegen die Führungskräfte von Teldafax. Nach Informationen des Handelsblattes laufen die Ermittlungen gegen neun Personen, darunter der ehemalige Teldafax-Vorstandsvorsitzende Klaus Bath, den aktuelle Vorstandsvorsitzende Gernot Koch, der Finanzchef Mathias Knoll sowie diverse Führungskräfte aus der Buchhaltung, dem Controlling und der Marketingabteilung. Oberstaatsanwaltschaft Apostel wollte sich zu Personen nicht äußern, bestätigte aber, dass neben den Geschäftsräumen von Teldafax auch diverse private Haushalte durchsucht wurden. Bath sagte auf Anfrage, er sei unschuldig. Koch war nicht zu erreichen, Knoll teilte mit, er müsse sich erst ein Bild der Lage verschaffen.

Das Handelsblatt berichtete bereits im Oktober 2010, dass Teldafax überschuldet war und sich die Wirtschaftsprüfer weigerten, die Jahresabschlüsse 2008 und 2009 zu testieren. Der ehemalige Finanzvorstand Alizrea Assadi wollte schon im Oktober 2009 Insolvenz anmelden, wurde aber von seinem Aufsichtsrat daran gehindert. Federführend war hier Aufsichtsrat Michael Josten, der 2007 wegen eines Kapitalanlagebetrugs zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war, vor seiner Festnahme aber in die Schweiz floh.

Teldafax wies 2010 alle Vorwürfe von sich und verbreitete trotz offensichtlicher Schieflage weiter Erfolgsmeldungen. So gelang es, im November 2010 russische Investoren zu gewinnen, die rund 50 Millionen Euro in das Unternehmen pumpten. Damit sollte alles in Ordnung sein. Vorstandschef Klaus Bath: „Wir befinden uns jetzt in einer finanziell sehr komfortablen Situation.“

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Endlich aber hoffentlich nicht zu spät.Hier muss es einen
    ordentlichen Warnschuss für alle geben die mit solchen
    Methoden die Kunden abzocken.

  • Das kommt 8 Wochen zu spät. Wer hat denn da so gepennt bei der Staatsanwaltschaft. Wenn der kleine Mann 50 Euro Schulden beim Mobilfunkprovider hat und 3 mal nicht auf Post reagiert, sitzt doch Abends der Gerichtsvollzieher schon in der Wohnung und klebt alles voll... Und wenn ich lese, dass ein Herr Bath unschuldigt ist, der ist doch die Reinkarnation des Schneeballsystems. Herr Josten sitzt ja noch, vielleicht haben die bald ne Doppelzelle...

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