Verdacht auf Kursmanipulation
Staatsanwälte überprüfen Cewe Color

Der Machtkampf beim Oldenburger Fotokonzern Cewe Color hält die Staatsanwaltschaft auf Trab. Im Vorfeld der Hauptversammlung haben sich ein amerikanischer Großaktionär und die Führungsspitze des Unternehmens gegenseitig verklagt. Zwei Verfahren wurden nun eingestellt, doch die Staatsanwaltschaft ist noch in einer dritten Sache tätig.

OLDENBURG. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen den Fotokonzern Cewe Color Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Kursmanipulation eingeleitet. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte, wurden die Beamten wegen entsprechender Presseberichte tätig. Das Handelsblatt hatte am vergangenen Mittwoch über eine Telefonkonferenz vom 24. Januar 2007 berichtet, an der der Vorstandsvorsitzende Rolf Hollander und der Aufsichtsratsvorsitzende Hubert Rothärmel teilnahmen. In dieser Konferenz sagte Hollander nach Aussage eines Zeugen: „Wir werden Ende Februar eine Gewinnwarnung von zwanzig Prozent schalten. Wir müssen den Kurs unter dreißig Euro ziehen.“ Rothärmel antwortete laut Zeugenaussage: „Ja, so machen wir’s.“

Hollander und Rothärmel verweigern seit einer Woche jeglichen Kommentar zu diesen Zitaten, haben sie aber bisher auch nicht bestritten. Stattdessen verklagten sie am 16. April den Investmentbanker Sebastian Freitag. Freitag war zum Zeitpunkt des Telefonats Aufsichtsrat und forderte Hollander und Rothärmel vergeblich zum Rücktritt auf. Am 8. Februar trat Freitag zurück, um sich nicht selbst haftbar zu machen. Hollander und Rothärmel zeigten ihn an, weil sie annahmen, einer seiner Mitarbeiter habe das Telefonat vom 24. Januar mitgeschnitten. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen am Montag ein. Eine Sprecherin sagte, es sei nicht nachzuweisen, dass das Gespräch tatsächlich aufgezeichnet worden ist.

Ein weiteres Verfahren gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Rothärmel wegen Verdacht auf Insiderhandel wurde ebenfalls eingestellt. Rothärmel hatte am 1. Februar 183 Aktien von Cewe Color gekauft - einen Tag später machte das Unternehmen ein öffentliches Rückkaufangebot zu einem höheren Kurs, und Rothärmel verkaufte seine Aktien wieder. Sein Tagesgewinn betrug 150 Euro bzw. 2,35 Prozent. Laut Staatsanwaltschaft Oldenburg erfolgte der Verkauf nicht unter Ausnutzung einer Insiderinformation.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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