Verdes wird Hochtief-Chef: „Ein Mann, der die Bausprache spricht“

Verdes wird Hochtief-Chef„Ein Mann, der die Bausprache spricht“

Jetzt ist es amtlich: Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef des Baukonzerns Hochtief. Thomas Eichelmann wird Chef-Aufseher. Verdes schließt eine Zerschlagung aus – und wird von der Gewerkschaft gelobt.
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EssenGroßaktionär ACS hat seinen Griff um Hochtief gefestigt: Der von dem spanischen Mutterkonzern entsandte Manager Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef des größten deutschen Baukonzerns. Der Aufsichtsrat habe Verdes am Dienstag einstimmig zum neuen Vorstandschef gewählt, teilte Hochtief mit.

Neuer Aufsichtsratschef wird demnach Thomas Eichelmann, der die Nachfolge von Manfred Wennemer antritt. Der 47-jährige gehört dem Aufsichtsrat seit Mai 2011 an und war früher unter anderem als Finanzvorstand der Deutschen Börse tätig. Verdes und der Vorstand sollen nun die Strategie für den Konzern „weiterentwickeln“, teilte Hochtief mit. Eine Zerschlagung oder Filettierung sei kein Element dieser Strategie. Einzelheiten der Strategie wurden jedoch nicht genannt. Die neue Strategie werde innerhalb der nächsten „drei bis vier“ Monate vorgelegt, hieß es lediglich.

Hochtief solle ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Essen bleiben. „Meine Priorität ist es, die Profitabilität zu erhöhen und das nachhaltige Wachstum von Hochtief fortzusetzen“, betonte Verdes nach seiner Wahl.

Auch der Chef der Gewerkschaft IG Bau, Klaus Wiesehügel, der Mitglied des Hochtief-Aufsichtsrats ist, betonte, eine Zerschlagung des Konzerns, zu dem auch die australische Tochter Leighton gehöre, sei „weder geplant noch tatsächlich möglich“. Verdes habe den Aufsichtsräten versichert, er stehe „für eine Zerschlagung nicht zur Verfügung“. Der Gewerkschaftsboss verteilt Vorschusslorbeeren: „Es ist ein Mann, der die Bausprache spricht. Deutsch muss er wahrscheinlich noch ein bisschen üben, aber was vom Bauen versteht er wirklich“, sagte Wiesenhügel.

Vor der Sitzung hatten Arbeitnehmervertreter im Hochtief-Aufsichtsrat vom spanischen Großaktionär ACS Klarheit über dessen Pläne mit dem Essener Baukonzern gefordert. Die Vertreter der Gewerkschaft IG Bau setzten darauf, dass die Interessen der Arbeitnehmer gewahrt würden, sagte ein IG-Bau-Sprecher am Dienstag.

In der Belegschaft waren immer wieder Befürchtungen laut geworden, der unter Milliarden-Schulden leidende ACS-Konzern könnte Hochtief zerschlagen. Der erst seit Mai 2011 als Vorstandschef amtierende Stieler habe sich mit Wennemer auf ein „einvernehmliches Ausscheiden“ verständigt, hatte Hochtief bereits in der Nacht zum Samstag mitgeteilt.

Nach einem Studium des Bauingenieurwesens in Barcelona hatte Verdes eine steile Karriere bei ACS gemacht und war 25 Jahre lang für das spanische Unternehmen tätig. Verdes war zunächst Mitglied im Hochtief-Aufsichtsrat, ACS hatte ihn dann im April 2012 in den Vorstand abgestellt. Dort kümmerte er sich vor allem um das Amerika-Geschäft. Verdes gilt als enger Vertrauter von ACS-Chef Florentino Perez. ACS kontrolliert 54,28 Prozent der Hochtief-Aktien, Stieler und Wennemer waren im Zuge der Hochtief-Übernahme auf ihre Posten gerückt.

ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf im vergangenen Jahr die Mehrheit an Hochtief gesichert. Daraufhin ging Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter, der sich vehement gegen das Ende der Unabhängigkeit des mehr als 81.000 Mitarbeiter starken Traditionskonzerns gewehrt hatte. Perez wollte Hochtief auch übernehmen, um das Geschäft von ACS international auf eine breitere Basis zu stellen und seinen Konzern unabhängiger vom spanischen Heimatmarkt zu machen.

Ursache der Krise in Spanien ist vor allem das Platzen der Immobilienblase, was auch die Baukonjunktur einbrechen ließ. Durch den rigiden Sparkurs der Regierung in Madrid könnten nun die öffentlichen Ausgaben und Aufträge weiter sinken.

Der mit rund 9,2 Milliarden Euro verschuldete spanische Konzern hatte erst vor kurzem eingeräumt, dass er einen großen Teil seiner Hochtief-Aktien an die Großbank BBVA verpfänden musste. Lange hatte Hochtief wegen Problemen mit der Australien-Tochter Leighton ACS keine Freude bereitet. Im dritten Quartal schrieben die Essener aber wieder schwarze Zahlen und polierten die ACS-Bilanz auf.

Analysten und Aktionärsschützer rechnen aber damit, dass ACS bei Hochtief Kasse machen will. Neben dem Flughafengeschäft und einer Immobilientochter, die bereits seit Jahren auf der Verkaufsliste stehen, könnte ACS nun auch eine Trennung von Leighton oder den Hochtief-Beteiligungen in Nordamerika erwägen.

Sorge bereitet Hochtief derzeit das Europageschäft. Der Auftragseingang liegt dort unter den Erwartungen. Die „Wirtschaftswoche“ hatte berichtet, Hochtief wolle rund 700 Stellen streichen. „Die laufende Analyse des Europageschäfts ist noch nicht abgeschlossen“, betonte dagegen ein Firmensprecher. „Es gibt erst recht keine Beschlüsse in irgendeine Richtung.“

 

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  • So profitabel wie Spanien?

    So profitabel wie die spanischen Banken, die ACS das Geld geliehen haben, um HochTief-Aktien zu kaufen?

    So profitabel wie ACS selbst?

    Spanien kauft HochTief mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers (über Target 2, ESM, EFSF, Bankenunion) und die deutschen Politiker schauen nur zu .

    Die CDU ist eine konservative Partei, aber sie arbeitet für das konservative Ausland und nicht für die Interesssen der eigenen Bürger.

    Unsere Presse freut sich darüber.

    Was ist das bloß für ein Land? Wem müssen wir die Beine brechen?

  • Ne ACS ist nicht "pleite", sie haben sich nur entschieden über den HY-, Junk-, Leveraged-Market (nennen sie wie sie es wollen) zu finanzieren, was gerade bei M&A als Corporate Strategy sinnvoll ist.

    Ich denke nicht dass Hochtief zerschlagen wird. ACS wird Hochtief und seine Tochtergesellschaften/Beteiligungen ein bisschen entflechten (z.B. Leighton, Turner, Flatiron, E.E. Cruz, usw.) und sich dann oben drauf setzen. Eigentlich ist ja ACS mehr eine Beteiligungsgesellschaft als ein Konzern. Ok, eigentlich wird Hochtief-Konzern zerschlagen, und auf die Kerngesellschaft Hochtief reduziert.

    Nunja. Wenn die die Mehrheit der Hochtief-Gläubiger durch ACS-Gläubiger ausgezahlt werden, ist die Sache vom Tisch.

  • Ich erinnere da an den Münchner Milliardär August Baron von Finck.

    Dieser besaß 25% an Hochtief, mit der Zusicherung, sich langfristig engagieren zu wollen.

    Doch dann verkaufte er (der Gier wegen), diese 25% an die Spanier. Mit diesen 25% hatte er eine Sperrminorität bei Hochtief.

    Er öffnete damit erst das Tor für den Einfall der Spanier.

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