Verdi droht mit Arbeitskampf
Einigung bei Karstadt-Quelle in Sicht

Beim angeschlagenen Handelsriesen Karstadt-Quelle zeichnet sich wenige Tage vor dem entscheidenden Aktionärstreffen am kommenden Montag eine Einigung mit den Gläubigerbanken ab.

HB ESSEN. „Wir sind auf sehr gutem Weg und gehen davon aus, noch in dieser Woche eine Einigung mit den Banken zu erzielen“, sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe am Dienstag in Essen. In der Auseinandersetzung um die von Karstadt-Quelle angekündigten Kürzungen beim Weihnachts-und Urlaubsgeld für rund 25 000 Warenhaus-Beschäftigte in NRW hat die Gewerkschaft Verdi am Dienstag mit möglichen Arbeitskampfmaßnahmen auch im wichtigen Weihnachtsgeschäft gedroht. Zuvor werde Verdi in den kommenden zwei Wochen jedoch zunächst ein Votum der nordrhein-westfälischen Beschäftigten einholen, sagte Verdi-Sprecher Gerhard Keuchel in Oberhausen.

Hintergrund der Auseinandersetzung sei ein von der Gewerkschaft bereits zum 31. Januar 2000 gekündigter Tarifvertrag über Sonderzahlungen in NRW, der bislang trotz laufender Verhandlungen nicht durch einen neuen Abschluss ersetzt worden sei. Karstadt-Quelle habe nun angekündigt, künftig das niedrigere Gehalt des Jahres 2000 als Grundlage für Sonderzahlungen anzusetzen. Im Durchschnitt bedeute dies ein Minus von rund 200 bis 230 € pro Beschäftigten. Für das Unternehmen bedeute dies Einsparungen von rund drei Mill. €. Betroffen seien jedoch ausschließlich Beschäftigte in NRW, sagte Keuchel.

Mit ihren nun noch im Laufe dieser Woche erwarteten Unterschriften unter die Verträge zur Verlängerung der Kredite von insgesamt 1,76 Mrd. € sollen die 16 Gläubigerbanken unterdessen eine mögliche Insolvenz des angeschlagenen Konzerns abwenden. Die Verlängerung der Kredite gilt als Voraussetzung für eine geplante Kapitalerhöhung um 500 Mill. €, die auf der Hauptversammlung in der kommenden Woche beschlossen werden soll.

Bei den Banken-Verhandlungen hätten sich in den vergangenen Tagen sowohl die NordLB als auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) quer gestellt, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Unternehmens- und Bankenkreisen. Offiziell heiße es bei den beiden Landesbanken, man prüfe die Refinanzierung immer noch. Beide Banken sind mit jeweils 25 Mill. € beim Essener Konzern engagiert. In Bankenkreisen heiße es jedoch, das Thema habe in der Öffentlichkeit so große Bedeutung erlangt, dass man sich einen Rückzug nicht mehr erlauben könne.

Erst vor einer Woche hatte die Unternehmensberatung Roland Berger in einem von den Banken beauftragten Gutachten grünes Licht für den Sanierungsplan des Warenhauskonzerns gegeben. Das Restrukturierungskonzept greife an die richtigen Hebel und sei geeignet, die bisherigen Verlustursachen im Karstadt-Quelle-Konzern zu beseitigen, hieß es in dem in Düsseldorf vorgelegten Papier.

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