Verdi kritisiert Lidl
„Mehr Videokameras als im örtlichen Gefängis“

Während sich die Zustände für die deutschen Mitarbeiter bei Lidl langsam besserten, sehe es im Ausland weiter düster aus, schreibt Verdi in seinem neuen „Schwarzbuch Lidl“. Im Ausland bestehe sogar die Angst, dass Sozialdumping von Deutschland aus exportiert werde.

HB BERLIN. Die Gewerkschaft warf dem deutschen Lebensmittelunternehmen am Dienstag in Berlin massive Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte, Repressalien und Mobbing vor, auch im Ausland. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, ist derzeit in 23 Ländern mit rund 7 400 Filialen vertreten. Fast die Hälfte des Umsatzes von rund 40 Mrd. Euro wird im Ausland erwirtschaftet.

Besonders kritisierte Verdi in dem vorgestellten „Schwarzbuch Lidl“, dass der Belegschaft die Wahl von Betriebsräten verboten und Gewerkschaftsarbeit massiv behindert werde. Der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke verwies darauf, dass es beispielsweise in Deutschland in den insgesamt 2 700 Filialen nur vier Betriebsräte gebe. Lidl sei eines der stärksten expandierenden Handelsunternehmen. In den anderen europäischen Ländern bestehe die Angst, dass Sozialdumping exportiert werde.

Mit dem „Schwarzbuch Lidl“ will Verdi auf die europäische Dimension von Verletzung von Arbeitnehmerrechten aufmerksam machen. Erste Verbesserungen für die Mitarbeiter habe es nach der Öffentlichmachung von Missständen in Deutschland gegeben, sagte Werneke. Der öffentliche Druck habe sich gelohnt.

Nach Recherchen von Verdi sind die Lidl-Filialen chronisch unterbesetzt, Arbeitsschutzbestimmungen werden nicht eingehalten und die Mitarbeiter müssen unbezahlte Mehrarbeit leisten. Als besonders skandalös kritisierte die Gewerkschaft Videoüberwachung in französischen Filialen. Damit würden alle Mitarbeiter per se unter Diebstahlverdacht gestellt. Agnes Schreieder von Verdi verwies darauf, dass es im Lager einer Filiale im französischen Nantes mehr Videokameras als im örtlichen Gefängnis gebe. Zudem ist laut Verdi der Leistungsdruck bei Lidl so hoch, dass die Vorgaben kaum zu schaffen seien.

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