Verdi: Vorerst kein Streik geplant
Bundesregierung will bei Karstadt-Quelle Einfluss nehmen

Die Bundesregierung hat Gespräche mit Karstadt-Quelle aufgenommen. Angesichts des drohenden Wegfalls tausender Arbeitsplätze bei der Sanierung des Handelskonzerns ist die Regierung mit Karstadt-Quelle in Kontakt getreten, hieß es am Mittwoch.

HB DÜSSELDORF. „Wir sind derzeit in Kontakt mit Karstadt-Quelle“, sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement am Mittwoch. Er gehe davon aus, dass keine abrupten Entscheidungen zu Lasten von Standorten und Arbeitnehmern fielen, „sondern dass dort sehr sorgfältig umgegangen wird mit einem offensichtlich unvermeidbaren Umgestaltungsprozess, der sehr tief greifend ist“, mahnte der SPD-Politiker.

Während die Banken des Essener Traditionskonzerns mit dem Management über die harten Sanierungsschritte berieten, äußerten Branchenexperten dagegen Zweifel an der Umsetzbarkeit des von Vorstandschef Christoph Achenbach am Vortag bekannt gegebenen Restrukturierungsprogramms. Analysten bezeichneten die Erwartungen des Vorstandes angesichts der schwierigen Marktlage als zu optimistisch. Die im Nebenwerteindex MDax der Börse notierten KarstadtQuelle-Aktien verloren bis zum Nachmittag auch drei Prozent an Wert auf rund 13,40 Euro und büßten damit die kleinen Gewinne vom Vortag wieder komplett ein.

Die Belegschaft trat unterdessen zu Betriebsversammlungen zusammen, weshalb die 181 Karstadt-Warenhäuser am Mittwoch vorübergehend schlossen. Betriebsräte sagten, die Belegschaft habe gefasst auf die Pläne reagiert. „Für uns wird sich erstmal nichts tun“, sagte ein Betriebsrat im nordrhein-westfälischen Bocholt. Die Gewerkschaft Verdi denkt derzeit auch nicht an Streik. „Über Streik reden wir erst dann, wenn es so weit ist, nicht zu Beginn einer Auseinandersetzung“, sagte Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold. Verdi fordere von künftigen Investoren für die 77 Warenhäuser auf der Verkaufsliste von KarstadtQuelle, alle Beschäftigten und die bestehenden Tarifverträge zu übernehmen.

Karstadt-Quelle hofft, mit dem umfangreichsten Umbauprogramm seiner Unternehmensgeschichte die Nettofinanzverschuldung noch in diesem Jahr um 13,5 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro zu senken. Nach einem erwarteten Milliardenverlust im Konzern in diesem Jahr soll 2005 - bereinigt um Restrukturierungskosten - zumindest operativ (Ebta) wieder ein positives Ergebnis von 110 Millionen Euro erzielt werden.

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