Verdrängungswettkampf nimmt zu
Die Luft für Billigflieger wird dünner

Die Zeiten der Höhenflüge für Billig-Fluggesellschaften sind vorbei - zumindest vorerst. Nach jahrelangem rasanten Wachstum vermelden die Gesellschaften jetzt erstmals stagnierende oder sinkende Zahlen. Damit steht den sogenannten Low-Cost-Carriern das bevor, was viele andere Branchen längst hinter sich haben: ein zunehmender Verdrängungswettkampf.

FRANKFURT. „Der Gesamtmarkt hat die Sättigungsgrenze erreicht“, sagt Guido Haarmann, Leiter der Aviation-Gruppe bei der Beratungsgesellschaft Accenture. „Es ist ein reifer Markt, auch wenn in einzelnen Ländern etwa in Osteuropa noch Potential besteht.“

Die Billig-Fluglinien stehen vor einem zunehmenden Verdrängungswettkampf. Am Ende wird es, wo regulatorisch möglich, auch auf eine Konsolidierung des noch immer vergleichsweise zersplitterten Marktes hinauslaufen. Deswegen glaub Haarman auch: „Es gibt für einzelne Anbieter im Zuge der Marktbereinigung noch Wachstumsperspektiven.“ Gleichzeitig steigt dabei aber das operative und finanzielle Risiko für die Gesellschaften.

Nach einer aktuellen Berechnung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie des Flughafenverbandes ADV entwickelte sich der so genannte Low-Cost-Verkehr in diesem Frühjahr erstmals seit Jahren rückläufig. So bedienten die Billigairlines insgesamt 466 Strecken im In- und Ausland. Das sind 30 Strecken oder sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. „Somit ist hier zum ersten Mal seit Entstehung des Low Cost Marktes vor rund sieben Jahren das Streckenwachstum rückläufig gegenüber den Vorjahren, als jährlich noch über 100 Strecken hinzu gekommen sind, gesunken“, schreiben die Autoren der Studie.

Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich bei der Zahl der Flüge. Zwar haben einzelne Anbieter wie etwa Ryanair oder Easyjet ihr Angebot ungeachtet der Krise massiv ausgebaut. Doch in der Summe sank die Zahl der Flüge um 400 auf gut 4 000. Das ist ein Minus von immerhin 8,5 Prozent. Gleichzeitig wurden auf diesen Flügen aber sechs Prozent mehr Sitze angeboten, ein Indikator dafür, dass aus Effizienzgründen größere Flugzeuge zum Einsatz kommen. Die Durchschnitts-Sitzzahl pro Flug liegt aktuell bei 158.

Zum Teil hat die Auslese unter den Anbietern bereits begonnen. So gab der dänische Anbieter Sterling wegen der Finanzkrise und hoher Spritkosten im vergangenen Herbst auf. Air Italy sowie die zur skandinavischen SAS gehörige Blue 1 haben sich von ihren deutschen Strecken zurückgezogen, gleiches gilt für Corendon (Türkei) und Meridiana (Italien).

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