Vereinigung Cockpit
Lufthansa und Piloten finden nicht zueinander

Die seit Monaten laufenden Tarifgespräche zwischen Lufthansa und den Piloten befinden sich in einer schwierigen Phase. Vor allem die Bedeutung des Konzerntarifvertrags ist umstritten. Streiks sind wieder im Gespräch.

FrankfurtLange war es ruhig an der Tariffront von Lufthansa. Jenseits der Öffentlichkeit versuchten Management, die Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit endlich eine Lösung in dem seit vier Jahren dauernden Streit um die Altersversorgung zu finden. Doch während die Verhandlungen mit der UFO unter dem Schlichter, dem früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, nach Informationen von Insidern vorankommen, sind die Gespräche mit der Pilotengewerkschaft ins Stocken geraten.

Ein Knackpunkt sind die reinen Finanzen. Zwar haben sich beide Seiten in den letzten Monaten deutlich aufeinander zu bewegt, ist zu hören. Dennoch gibt es noch Diskrepanzen bei den Themen Gehalt und Frührenten für die rund 5000 Piloten. Ein Sprecher der VC bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über den Streit über die jüngste Offerte des Unternehmens, die die VC ablehnt..

Schwerer wiegt allerdings ein anderer Streit, heißt es in Verhandlungskreisen. So ist die künftige Bedeutung des so genannten Konzerntarifvertrages (KTV) heftig umstritten. Er regelt die bislang recht komfortable Entlohnung sowie die Altersversorgung der Piloten. Die Lufthansa-Spitze will den KTV reformieren und seine Gültigkeit abschwächen. Die VC dagegen pocht auf einer uneingeschränkten Gültigkeit des KTV.

Im Zentrum dieses Streits steht die Billigplattform Eurowings, die Lufthansa unbedingt aus dem KTV heraushalten will und bislang auch herausgehalten hat. So fliegen auf der Langstrecke von Eurowings etwa Piloten von Sunexpress, einem Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines.

Die Positionen auf beiden Seiten seien komplett verhärtet, berichten Insider. Beide, sowohl das Management als auch die VC fürchteten bei dem Thema einen Gesichtsverlust. Jetzt soll in einem Gespräch am 22. April eine Annäherung versucht werden. Grundsätzlich waren für die Tarifverhandlungen Termine bis in den Mai angesetzt. In dem Tarifstreit haben die Piloten bislang dreizehn Mal ihre Arbeit niedergelegt.

Auch jetzt sind Streiks wieder im Gespräch, so ist zu hören. Doch das Thema ist für die VC heikel. Denn ein Gericht hatte zuletzt einen Ausstand verboten, weil das Thema Eurowings nicht Teil des zu verhandelnden Tarifvertrags ist.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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