Verhaltenes Geschäft
Sporthändler Foot Locker schließt Läden

Der größte Sportschuh-Händler der Welt dünnt sein Filialnetz kräftig aus. Im vergangenen Jahr habe Foot Locker 208 unprofitable Läden geschlossen, teilte die US-Kette mit. Dem standen lediglich 64 Neueröffnungen gegenüber. Das verhaltene Geschäft des Sportschuh-Händlers schlägt sich auch bei den großen Sportartikelherstellern nieder.

MÜNCHEN. Im laufenden Jahr will das Unternehmen sogar nur noch 25 neue Shops einrichten. Insgesamt betreibt der Konzern mehr als 3 600 Geschäfte.

Die Konsumflaute hat Foot Locker voll erwischt: Der Sportschuh-Spezialist ist im vierten Quartal seines Geschäftsjahres (zum 31. Januar) tief in die roten Zahlen gerutscht. Abschreibungen und Kosten durch die Ladenschließungen bescherten dem New Yorker Unternehmen einen Verlust von 126 Mio. Dollar. Der Umsatz fiel um elf Prozent auf 1,32 Mrd. Dollar. Im Vorjahr hatte Foot Locker noch einen Gewinn von 72 Mio. Dollar verbuchen können. Eine Prognose für das laufende Jahr gab der Konzern wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage nicht ab.

Das verhaltene Geschäft in den Filialen von Foot Locker schlägt sich auch in den Büchern der großen Sportartikelhersteller nieder. Adidas berichtete am Mittwoch von zögerlichen Bestellungen der Händler und einer schlechten Zahlungsmoral. Der zweitgrößte Turnschuh-Produzent der Welt rechnet in diesem Jahr mit niedrigeren Erlösen und einem geringeren Gewinn. Die nach unten korrigierten Ziele von Adidas seien ein Spiegelbild der derzeitigen Schwäche in den etablierten und des gebremsten Wachstums in den aufstrebenden Märkten, urteilten gestern die Analysten von JP Morgan.

Der Vorstandschef von Foot Locker, Matthew Serra, will im laufenden Jahr nur noch 100 Mio. Dollar in neue Läden und die Renovierung bestehender Geschäfte investieren. Vergangenes Jahr waren es noch 145 Mio. Dollar. Darüber hinaus werde Foot Locker weniger Ware auf Lager halten. Sollten die Sportler aber im Jahresverlauf wieder mehr für Schuhe ausgeben, könnte das Unternehmen die Investitionen auch aufstocken, sagte der Manager.

Die deutschen Sporthändler schlagen sich derzeit deutlich besser als Foot Locker. Europas Marktführer Intersport erwirtschaftete im Januar und Februar ein zweistelliges Umsatzplus. Die 1 400 Fachgeschäfte der Kette in Deutschland profitierten vom kalten und schneereichen Winter, der für gute Geschäfte mit Skiausrüstung sowie warmer Kleidung sorgte. Diese Umsätze gehen an Sportschuh-Spezialisten wie Foot Locker weitgehend vorbei.

Für die Sportbranche ist 2009 jedoch in vielerlei Hinsicht schwierig. Den Händlern und Herstellern macht nicht nur die tiefe Rezession zu schaffen. Es fehlen auch große Sportereignisse wie Olympische Spiele oder internationale Fußball-Turniere, die für zusätzliche Kaufimpulse bei den Kunden sorgen könnten. Erst im späten Herbst dürfte das Geschäft mit Fanartikeln für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika langsam beginnen. Dann kommen die Trikots der teilnehmenden Nationalmannschaften und die WM-Bälle in die Läden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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