Verhandlungen mit Deloitte
Roland Berger schon länger auf Brautschau

Die traditionsreiche Unternehmensberatung Roland Berger steht unter strategischem Zugzwang. Jetzt hat die monatelange Brautschau Erfolg: Verhandlungen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sind weit fortgeschritten.
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MÜNCHEN, BERLIN, DÜSSELDORF. Akute finanzielle Not hat die traditionsreiche Unternehmensberatung Roland Berger wohl nicht dahin getrieben, zur Preisgabe der Unabhängigkeit bereit zu sein. Zum traditionellen Martini-Gans-Essen jedenfalls hatten die Berater erst vor wenigen Tagen wieder in die feudale Feinkostschänke von Promigastronom Michael Käfer in München eingeladen. Keine Sorge, beteuerte der neue Chef Martin Wittig den Gästen, die Rechnung könne man sich leisten.

Strategisch aber steht die Gruppe unter Zugzwang. Das sahen wohl auch die Berater selbst so. Nach Informationen des Handelsblatts führte die Gruppe daher schon seit Monaten Fusionsverhandlungen mit Beratungs- und Prüfgesellschaften.

Das Ergebnis: Als die Martins-Gans mit Knödeln in München serviert wurde, waren die Verhandlungen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte schon weit fortgeschritten. Entstehen soll der weltweit zweitgrößte Beratungskonzern hinter McKinsey - unter dem Dach von Deloitte.

Noch ist offen, ob die Berger-Partner der Übernahme Mitte Dezember zustimmen. 75 Prozent sind notwendig, auf 90 Prozent hoffen Wittig und Aufsichtsratschef Burkhard Schwenker, die in den vergangenen Wochen auffällig Einigkeit demonstrierten. "In einer Partnerschaft geht das nicht par ordre de mufti", heißt es im Umfeld. Schließlich ist eine der Grundvoraussetzungen für ein Gelingen der Übernahme, dass die Partner - das größte Kapital - an Bord bleiben.

Das aber ist nicht sicher, denn die Chancen eines Zusammenschlusses sind so groß wie die Risiken. "Die klassischen Strategieberatungen sind einfach zu klein", sagt einer der Beteiligten. So ist Roland Berger in den USA schwach aufgestellt. Auch die notwendige Expansion auf den Wachstumsmärkten wie China sei kostspielig, sagt einer aus dem Umfeld. Allein sei all das schwer zu stemmen.

Daher war Roland Berger nach Handelsblatt-Informationen schon länger auf Brautschau. Die Münchener führten auch mit KPMG und Ernst & Young "vertiefte Gespräche". Allerdings sei es nur mit Deloitte möglich gewesen, unter anderem die Forderung nach der Beibehaltung des Namens "Roland Berger" durchzusetzen. Auch die Wirtschaftsprüfer stehen unter Druck. Sie sind zwar teilweise kapitalstärker, und die Konsolidierung hat hier schon stattgefunden. Doch die Margen sind geringer, die Wachstumsfantasie begrenzt. Ein Zusammenschluss könnte also beiden Seiten etwas bringen.

Doch wer, wenn nicht die Berater, sollte wissen, welch große Risiken Fusionen in sich bergen. Kurz gesagt: Die meisten gehen schief. "Merger von Unternehmensberatungen sind eine besonders problematische Angelegenheit", sagt Ansgar Richter, Professor an der European Business School. Die gemeinsame kulturelle Identität sei der Kitt, der Beratungen zusammenhalte.

Im Fall von Deloitte und Berger ergänzen sich die Geschäfte nur geografisch, und die kulturellen Gräben sind tief. Einer der Gründe: Deloitte kann derzeit nur deutlich niedrigere Honorare verlangen als die Strategieberater von Berger - entsprechend verdienen die im Schnitt auch um die Hälfte mehr.

Dennoch, die Megafusion von Strategieberatung und Wirtschaftsprüfern könnte Bewegung in die gesamte Branche bringen. Andere Spieler könnten unter Zugzwang geraten. Marktführer McKinsey zum Beispiel wird da hinter vorgehaltener Hand immer wieder genannt. Gelinge die Fusion Deloitte-Berger, drückt es einer in bestem Branchenjargon aus, dann könne das "den berühmten beraterischen ,First-Mover-Effekt' auslösen".

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

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