Verhandlungen um Zusammenschluss von Tuifly und Germanwings
Tui Travel sieht sich gegenüber Billigfliegern im Vorteil

Der konjunkturelle Abschwung und die steigenden Ölpreise begünstigen nach Einschätzung von Tui-Travel-Chef Peter Long die Pauschalreiseanbieter gegenüber den Billigfliegern. Während es Easyjet und Ryanair derzeit schwer fällt, ihre Flugzeuge zu füllen, ist es Tui Travel bisher im Sommergeschäft gelungen, die Auslastung zu steigern. Auch sparten die Kunden eher an kurzen Städte-Trips als am Sommerurlaub oder dem Zweiturlaub im Winter, sagte Long im Gespräch mit dem Handelsblatt.

LONDON. Tui Travel legte am Dienstag Halbjahreszahlen vor, die keine Spur von Abschwung und sinkendem Verbrauchervertrauen erkennen ließen. "Bei den Low-Cost-Airlines liegt der Anteil der Treibstoffkosten bei 30 Prozent, bei uns sind es weniger als zehn Prozent“, sagte Long. „Darum fällt es ihnen schwerer, die höheren Kosten zu kompensieren.“ Das Wachstum der Billigflieger habe in den vergangenen Jahren stark darauf beruht, zusätzliche Reisen zu den ein oder zwei Urlauben im Jahr zu verkaufen. Die jedoch sähen die Kunden anders als den Haupturlaub im Sommer nicht als essentiell an. Das mache die Billigflieger nun anfälliger.

Bisher spürt Europas größter Reisekonzern nach eigenen Angaben noch nichts von dem einsetzenden Abschwung etwa in Großbritannien. Es sei noch nicht zu erkennen, dass die Kunden kürzer in den Urlaub flögen oder billigere Hotels wählten, sagte Long. Die Buchungen für die Sommersaison liefen besser als im Vorjahr. In Deutschland liegt die Auslastung der Tui-Jets um fünf Prozentpunkte höher als vor einem Jahr, in Großbritannien um 6,5 Prozentpunkte. Tui hatte Anfang Mai in Deutschland elf Prozent und in Großbritannien sogar 21 Prozent Reisen weniger übrig als ein Jahr zuvor.

Die Konsolidierung der Reisekonzerne, die im vergangenen Jahr Tui und First Choice zu Tui Travel sowie Thomas Cook und My Travel zusammengeführt hat, hat das Angebot auf dem Pauschalreisemarkt verknappt und den beiden deutsch-britischen Konzernen Preissteigerungen ermöglicht. So hat Tui Travel für den Sommer 2008 in Mitteleuropa die Kapazität um 14 Prozent reduziert und bei gleichbleibender Kundenzahl drei Prozent mehr Umsatz erzielt. In Großbritannien stieg der Umsatz um acht Prozent, obwohl es zwei Prozent weniger Reisende und 13 Prozent weniger Plätze gab. Auf diesem Kurs geht es weiter: Im kommenden Geschäftsjahr (zum 30. September 2009) will Long in Großbritannien noch einmal zehn geleaste Maschinen aus dem Verkehr ziehen.

Analysten lobten überwiegend die ersten Halbjahreszahlen des neuen Europa-Marktführers. Als „unglaublich ermutigend“ bezeichnete sie Mark Reed von der isländischen Bank Landsbanki. Die Deutsche Bank sprach von gesunden Zahlen, bekräftigte ihre Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel für die in London notierte Aktie. Die Dresdner Bank sieht Tui Travel auf gutem Weg, die Vorhersagen zu erfüllen. 2009 stiegen die Risiken aber wegen der hohen Treibstoffpreise und des teuren Euro. Die Tui-Travel-Aktie stieg zunächst um fünf Prozent, büßte die Kursgewinne dann aber im Tagesverlauf fast vollständig wieder ein. Auch die Konzernmutter Tui, die 51 Prozent an Tui Travel hielt, stieg etwas im Kurs.

Im Richtungsstreit unter den Tui-Aktionären sieht Long keine Belastung. „Ich mache mir keine Sorgen, dass uns das in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnte“, sagte er. Zu Spekulationen, dass Tui die Logistiksparte Hapag-Lloyd verkaufen und dafür Tui Travel ganz übernehmen könnte, wollte er sich nicht äußern.

Tui Travel selbst setzt indessen die Gespräche mit Lufthansa über einen Zusammenschluss der Töchter Tuifly und Germanwings fort. „Das ist ein komplizierter Deal, der Zeit braucht“, sagte der Mitteleuropa-Chef von Tui Travel, Volker Böttcher, dem Handelsblatt. Er führt die „detaillierten und tiefgehenden“ Verhandlungen mit Lufthansa, die zur Bildung eines Gegengewichts zu Air Berlin im Charter- und Billigfluggeschäft führen könnten. „Wir kommen voran, und ich bin optimistisch, dass wir ein positives Ergebnis erzielen werden“, sagte Böttcher.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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