Verivox
Verbraucherportal kassierte bei Teldafax ab

Drei Jahre lang häufte der Stromhändler Teldafax mit Dumpingpreisen einen immer größeren Schuldenberg an. Dann brach das Unternehmen zusammen und riss Hunderttausende von Kunden mit sich. Ausgerechnet Deutschlands größtes Verbraucherportal half für ungewöhnlich hohe Provisionen beim Kundenfang mit.

Heidelberg„Verivox ist das größte, unabhängige Verbraucherportal für Energie in Deutschland. Verbraucher können einfach und schnell Tarife vergleichen und direkt zum besten Anbieter wechseln. Seit unserer Gründung haben wir viele Millionen Leser kompetent beraten und mehr als drei Millionen Verbrauchern beim Anbieterwechsel geholfen.“

So stellt sich die Firma aus Heidelberg selbst im Internet dar. Das Unternehmen macht mit seinen rund 250 Mitarbeitern 54 Millionen Euro Umsatz - doch seine volkswirtschaftliche Bedeutung ist viel größer, als es scheint. Denn Verivox spielt bei der Liberalisierung des deutschen Strommarktes eine wichtige Rolle als Wegweiser für wechselwillige Kunden. Allein im Juni besuchten 4,1 Millionen Nutzer den Verivox-Dienst, um sich zu informieren. Eine Verivox-Sprecherin: „Wir wollen den Markt transparent machen und so den Wettbewerb unterstützen.“

Doch zwischen Eigenwerbung und Wirklichkeit klaffen Welten. Recherchen des Handelsblatts zeigen: Verivox hat die Kunden im großen Stil zu dem Unternehmen geführt, das dem Verbraucherportal die höchsten Vermittlungsprovisionen zahlte: Teldafax.

Der Troisdorfer Stromanbieter Teldafax stieg 2007 in den Markt ein und gewann mit seinen Kampfpreisen in rasendem Tempo Kunden. Denn die Firma bot den Strom gegen Vorkasse billiger an, als sie ihn einkaufte. Die ruinösen Lockangebote führten jedoch in die Insolvenz. Rund 800.000 Kunden warten seit Juni 2011 auf die Rückzahlung ihrer meist vorausbezahlten Jahresrechnung. Mehr Gläubiger hat es bei einer Insolvenz in Deutschland nie gegeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt – auch wegen gewerbsmäßigen Betrugs.

Beim Kundenfang halfen Teldafax nicht nur die Dumpingpreise, sondern auch die Firma Verivox.

Der Trick war ganz einfach: „Alle Stromanbieter mussten Preisänderungen mit zwei Wochen Vorlauf an Verivox melden, damit die Infos in die Vergleichssoftware eingepflegt werden konnten“, sagt ein Ex-Manager von Teldafax, der seine Aussage an Eides statt bezeugt. „Der zuständige Mitarbeiter von Verivox sprach regelmäßig mit unserer Führung. So wussten wir, wann Konkurrenten Sonderangebote starten würden. Dann haben wir die Preise angepasst und standen im Verivox-Ranking weiter oben.“

Die Anschuldigungen wurden dem Handelsblatt nicht nur von dem Ex-Teldafax-Manager, sondern auch von weiteren Informanten bestätigt.

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Bis zu 1.500 Euro für einen Vorauszahler

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