Verjüngungskur
Lufthansa baut Aufsichtsrat um

Der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa steht vor einem radikalen Umbau. Sechs der zehn Vertreter der Anteilseigner sollen auf der Hauptversammlung am 29. April ausgetauscht werden. Die Liste der Nominierten veröffentlichte der Dax-Konzern am Montagabend. Kritikern geht sie nicht weit genug.

DÜSSELDORF. Die angestrebte Verjüngung, Verbreiterung und Internationalisierung des Gremiums geht Kritikern noch nicht weit genug. Die Wiederwahl des amtierenden Aufsichtsratschefs und früheren Vorstandschefs Jürgen Weber gilt als sicher. Ausscheiden sollen aus dem Gremium unter anderem der in den Verdacht der Steuerhinterziehung geratene frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel, der nach hohen Verlusten mit Subprime-Krediten zurückgetretene ehemalige BayernLB -Chef Werner Schmidt sowie Clemens Börsig, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Die Bank hält gut 15 Prozent am ärgsten Lufthansa -Konkurrenten Air Berlin.

Einziehen sollen in den Aufsichtsrat unter anderem Post-Vorstand John Allan, die Chefin des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, sowie der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie und frühere Bundesverkehrsminister, Matthias Wissmann. "Der neue Aufsichtsrat ist ein verjüngtes Corporate Germany - mehr aber leider nicht", hieß es in der Branche.

Die Zusammensetzung des neuen Aufsichtsrates ist für Lufthansa strategisch wichtig. Das Gremium wird nächstes Jahr über die Nachfolge des amtierenden Vorstandschefs Wolfgang Mayrhuber oder - falls sich Mayrhuber noch einmal zur Verfügung stellen sollte - über dessen dritte Amtszeit entscheiden. Sein Vertrag endet im Jahr 2010. Die mit einem Umsatz von 22,4 Mrd. Euro und einem Rekordgewinn im Jahr 2007 größte deutsche und zweitgrößte europäische Fluggesellschaft kämpft national und international um Marktanteile. In Deutschland ist ihr mit Air Berlin der erste ernst zu nehmende Konkurrent erwachsen.

Vor diesem Hintergrund ist auch das Ausscheiden von Börsig, dem Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, zu sehen. Dem Vertreter des Air-Berlin-Anteilseigners wollte Lufthansa keine tiefen Einblicke mehr in die eigene Strategie gewähren.

International greifen Newcomer Lufthansa auf den lukrativen Langstrecken an. Dass etwa Emirates aus Dubai weitere Verkehrsrechte für Starts und Landungen in mehr als vier deutschen Städten erhält, wollen die Deutschen verhindern. Den Draht in die Politik soll Wissmann, der einst Bundesverkehrsminister war, zum Glühen bringen.

Internationale Branchenexpertise, die die Lufthansa in der ausstehenden Konsolidierung in Europa und der Welt gebrauchen könnte, fehlt jedoch nach wie vor im Aufsichtsrat. Ein Vertreter eines Allianzpartners wie zum Beispiel der zweitgrößten Fluggesellschaft der USA, United Airlines, oder der US-Billigfluggesellschaft Jetblue, an der Lufthansa beteiligt ist, ist nicht eingezogen. Stattdessen steht nach wie vor einzig der einstige Lufthansa -Vorstandschef und heute über 70-jährige Klaus Schlede für Branchenexpertise im Gremium.

Auf der Arbeitnehmerseite geht der radikale Wandel mit einer Professionalisierung einher. Die Interessenvertretung der Piloten, die Vereinigung Cockpit, besetzt künftig zwei Sitze im Aufsichtsrat; bisher war es nur einer. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi halbiert die Zahl ihrer Sitze auf nur noch drei. Die Wiederwahl des bisherigen stellvertretenden Aufsichtsratschefs Frank Bsirske gilt deshalb als eher unwahrscheinlich.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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