Verkauf an Wöhrl
LTU kommt in neue alte Hände

Der Handelskonzern Rewe zieht sich vollständig aus der angeschlagenen Ferienfluggesellschaft LTU zurück. Die Anteile gehen an zwei Männer über, die beide im Unternehmen keine Unbekannten sind.

HB FRANKFURT. Der 40-Prozent-Anteil von Rewe gehe an die Gesellschaft Intro des Textilunternehmers Hans-Rudolf Wöhrl, teilte das Handelsunternehmen am Donnerstagmorgen mit und bestätigte damit entsprechende Meldungen aus Branchenkreisen. Wöhrl hält damit kurzzeitig 76 Prozent an der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft. Einen Teil des Pakets gibt er an LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach weiter, der bereits 24 Prozent an LTU hält. Sein Anteil steigt damit auf 45 Prozent; Wöhrl behält 55 Prozent. Das Folgegeschäft machte ein LTU-Sprecher am Donnerstag publik. Marbach werde die Anteile über seine Beteiligungsfirma MIC GmbH kaufen, hieß es weiter.

„Mit ihrem neuen strategischen Partner hat die LTU alle Chancen, sich im Markt weiter zu entwickeln“, sagte Rewe-Touristik-Vorstand Norbert Fiebig. Rewe-Chef Achim Egner hatte mehrfach erklärt, der Betrieb einer Fluggesellschaft nicht zum Kerngeschäft des Handelsriesen gehöre. Rewe Touristik wird aufgrund bestehender Verträge bis zum Jahr 2010 aber weiterhin mit LTU fliegen . Was danach passiere, sei jetzt vollkommen irrelevant, sagte der LTU-Sprecher. In der Branche werde nicht so langfristig geplant. Der Verkauf der Anteile von Intro an den LTU-Geschäftsführer Marbach soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden.

Wöhrl hat die seit Jahren defizitäre Fluggesellschaft Mitte Februar zu 60 Prozent für einen nicht bekannten Kaufpreis übernommen und später 24 Prozent an LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach weitergereicht. In Unternehmenskreisen hieß es, der bisherige Hauptaktionär Rewe sei Wöhrl weit entgegen gekommen, um aus der unternehmerischen Führung entlassen zu werden. Der Kölner Handelskonzern hat in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in die LTU gepumpt. Wöhrl ist auch Haupteigner der Münchner Billigfluglinie DBA; eine Verschmelzung beider Unternehmen wurde aber zu allen Zeiten dementiert.

LTU gehört mit Air Berlin, Condor und Hapagfly zu den großen deutschen Ferienfliegern, gilt in der Branche aber wegen hoher Personalkosten als zu teuer. Mit gut 2 700 Beschäftigten beförderte LTU 2004 knapp 6 Millionen Passagiere.

Mit einem Sparpaket, das rund 45 Mill. Euro einbringen soll, will Wöhrl die LTU aus den Miesen führen. Sollte sich die Belegschaft den Sparmaßnahmen verweigern, drohte Wöhrl offen mit Konsequenzen: „Dann sperren wir zu“, sagte er im März, „entweder die LTU ist in einem halben Jahr gedreht oder nie“. Unter anderem sollen die Mitarbeiter auf 15 Mill. Euro Gehalt pro Jahr verzichten.

Wöhrl erhofft sich aus einem Bündnis zwischen LTU und seinem Billigflieger DBA eine bessere Wettbewerbsposition auf dem hart umkämpften deutschen Luftverkehrsmarkt. Nach seinem Plan soll die LTU verstärkt auf Langstrecken setzen und mehr Geschäftsreisende als Kunden gewinnen, um nach Jahren roter Zahlen wieder in die Gewinnzone zu kommen. Die dba hingegen soll als klassischer Billigflieger den deutschen und europäischen Markt bedienen. Gemessen am Jahresumsatz von knapp 1 Mrd. Euro ist LTU etwa doppelt so groß wie die DBA.

Mit ihren 11 Großraumflugzeugen vom Typ Airbus A330 soll die LTU von Düsseldorf aus vor allem die Lufthansa-Langstrecken nach Nordamerika und Asien angreifen. Für die notwendige Auslastung sollen zusätzliche Passagiere der DBA aus ganz Deutschland sorgen. Dafür sollen die Flugpläne aufeinander abgestimmt werden, auch ein gemeinsames Vielfliegerprogramm sei möglich, heißt es. Spätestens zum Sommerflugplan 2007 soll das Konzept stehen, die Namen der beiden Fluggesellschaften sollen erhalten bleiben.

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