Verkauf kleinerer Häuser ist ein Problem - Analysten begrüßen radikalen Karstadt-Umbau
Karstadt – Der Schock wirkt nach

Der Handelskonzern hat seine Mitarbeiter über das Sanierungskonzept informiert. Die Lage bei Karstadt beschäftigte am Mittwoch auch das Bundeskabinett. Hauptproblem ist es nun, Käufer für die defizitären kleineren Filialen zu finden.

agr/jkn/ire DÜSSELDORF. Die radikalen Sanierungspläne von Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach sind in Finanzmarktkreisen auf verhaltene Zustimmung gestoßen. „Diese drastischen Maßnahmen sind dringend nötig,“, sagt Barbara Ambrus von der Landesbank Baden- Württemberg (LB-BW) dem Handelsblatt. „Positiv überrascht“ zeigt sich gar Christoph Schlienkamp, leitender Analyst beim Bankhaus Lampe, vor allem von dem Volumen der Kostensenkung und Verkäufe von insgesamt 1,3 Mrd. Euro.

Doch bei näherer Betrachtung überwiegt unter den Experten in erster Linie die kritische Bewertung der Risiken, die das neue Konzernmanagement meistern muss. Bezweifelt wird fast unisono, dass Karstadt- Quelle für die insgesamt 77 kleineren Häuser, die in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden sollen, alsbald einen Käufer finden wird. Analyst Schlienkamp ist überzeugt, dass diese Häuser das Portfolio des Konzerns noch längere Zeit belasten werden. Die dann unvermeidbaren Schließungen könnten durch ihre Kosten die Karstadt-Bilanz womöglich noch länger als geplant verhageln. Die derzeit ohnehin nicht verwöhnten Investoren müssten dann vielleicht über 2005 hinaus auf eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen warten.

Als mögliche Käufer für das komplette Paket der kleinen Filialen werden unter Analysten zurzeit lediglich größere Risikokapitalgesellschaften gehandelt. Bei Finanzinvestoren stößt aber insbesondere der ehrgeizige Zeitplan für den Verkauf der Kaufhäuser auf Skepsis. „Ein solcher Deal braucht Zeit, das geht nicht so schnell“, sagte ein Manager einer größeren Private-Equity-Gesellschaft dem Handelsblatt. Zwar dürfte es für die Häuser durchaus Interessenten geben. Allerdings müsste sich ein Investor die Objekte sehr genau anschauen.

Die Karstadt-Häuser wären nicht das erste Objekt im Einzelhandel, das das Interesse von Finanzinvestoren wecken würde. So sollen vor wenigen Wochen Apax Partners Worldwide LLP, Bain Capital Inc. und Cinven Ltd. jeweils rund eine Mrd. Euro für die CBR, einen deutschen Bekleidungshändler, geboten haben,. Zu der CBR-Holding gehören unter anderem Marken wie „Cecile“ und „Street One“. In Großbritannien wird zur Zeit über ein milliardenschweres Angebot von Permira für den drittgrößten britischen Einzelhändler Sainsbury spekuliert.

„Vermieten statt verkaufen“, schlägt Volker Dölle, seit langen Jahren ein renommierter Berater großer deutscher Handelskonzerne, als Alternativkonzept zum Verkauf der kleinen Karstadt-Filialen vor. Dölle kann sich vorstellen, dass beispielsweise SB-Warenhäuser wie die Kaufland- oder die Globus- Kette durchaus an langfristigen Anmietungen interessiert sein könnten. Auch für Gemeinschaftskaufhäuser im Stile kleinerer Einkaufszentren mit integrierten Factory- Outlets oder Flagship-Stores großer Markenhersteller könnten die derzeit unrentablen Karstadt- Standorte nach Dölles Ansicht „ein gefundenes Fressen“ sein. Voraussetzung hierfür wäre jedoch eine baldige Schließung der Karstadt-Standorte, um die Immobilien zügig vermarkten zu können.

Unter den Fachhandelsketten wie Sinn Leffers, Wehmeyer, Runners Point und Golf House, die ebenfalls zum Verkauf stehen, stellt in Analystenkreisen dagegen nur die Veräußerung der Sinn-Leffers- Häuser wegen der anhaltenden Flaute auf dem Bekleidungsmarkt ein Problem dar.

Die Deutsche Post gilt unterdessen als einer der Interessenten für das Logistikgeschäft der Karstadt- Gruppe oder zumindest für Teile davon. Ein Post-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Branchenkreise gehen davon aus, dass die Post nicht der einzige Interessent ist, da die Karstadt-Tochter Optimus Logistics in zahlreichen Bereichen tätig ist. Neben den Sammelgutverkehren für die Waren- und Versandhäuser und dem Betrieb großer Logistik- Center gilt Optimus als Spezialist in der Textillogistik und kooperiert mit dem belgischen Bahnspediteur ABX.

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