Verkauf von Baubecon-Wohnungen
Pirelli vor dem Ziel

Der Verkauf der Hannoveraner Wohnungsgesellschaft Baubecon durch den US-Finanzinvestor Cerberus an die italienische Pirelli Real Estate ist nahezu unterschriftsreif. Der Abschluss könnte in den nächsten Tagen erfolgen – und Cerberus ein gutes Geschäft einbringen.

ben / pk / wik DÜSSELDORF / FRANKFURT. Pirelli RE und die Deutsche-Bank-Tochter RREEF ließen sich die gemeinschaftliche Übernahme der Baubecon bereits durch eine eigens gegründete Gesellschaft mit dem klingenden Namen „Aida/Nabucco“ vom Bundeskartellamt genehmigen (AZ: B1-171/07). Einem namentlich nicht genannten zweiten Interessenten wurden am gestrigen Donnerstag nur noch sehr geringe Chancen eingeräumt. Keiner der Beteiligten wollte sich indes offiziell zum Stand der Verhandlungen äußern.

Erst im November 2005 war die ehemals gewerkschaftseigene Baubecon mit einem Bestand von rund 20 000 Wohnungen insbesondere in Berlin und im norddeutschen Raum zum Preis von rund einer Mrd. Euro von Cerberus erworben worden. Nach dem ursprünglichen Plan des Managements sollte die Gesellschaft bereits 2006 an die Börse gebracht werden – offenbar ein viel zu ehrgeiziges Ziel für die vergleichsweise kleine Gesellschaft. Angesichts des schwieriger gewordenen Börsenumfelds – und eines attraktiven Angebots – entschloss sich Cerberus stattdessen zum Verkauf.

Wie aus Finanzkreisen zu erfahren war, könnte Cerberus ein gutes Geschäft machen: Es wird erwartet, dass der „Höllenhund“ beim Verkauf mehr als 100 Mill. Euro Gewinn einstreichen könnte. Träfe dies zu, hätte sich das eingesetzte Eigenkapital, das auf 100 Mill. bis 150 Mill. Euro geschätzt wird, binnen 20 Monaten fast verdoppelt.

Beobachter halten den anstehenden Verkauf daher nicht für ein Indiz mangelnden Investmenterfolgs. Im Gegenteil: Anglo-amerikanische Finanzinvestoren der ersten Stunde realisierten nun ihre Gewinne. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die stark gestiegenen Preise für Wohnimmobilien demnächst ihren Höhepunkt überschritten haben könnten. Die Quadratmeter-preise bei großvolumigen Wohnungskäufen stiegen in den vergangenen drei Jahren von 600 Euro auf derzeit gut 1 000 Euro.

Ein weiterer Anstieg gilt auch deshalb als unwahrscheinlich, weil Wohnungen – anders als lange erhofft – nicht als Teil eines steuerbegünstigten Real Estate Investment Truts (Reits) an die Börse gebracht werden können. Bei Einführung dieser Form der Immobilienaktiengesellschaften im Frühjahr hatte der Gesetzgeber Wohungen ausdrücklich ausgeschlossen. Einige Beobachter sind auch der Ansicht, die US-Investoren hätten den Widerstand der deutschen Mieter gegen Sanierung und Verkauf von Wohungen unterschätzt. Daher entschlossen sich einige Investoren zuletzt, sich von ihren Akquisitionen zu trennen. So verkaufte der US-Investor Oaktree die Berliner Wohungsbaugesellschaft Gehag fast vollständig an die Deutsche Wohnen.

Dennoch: Auch für den Pirelli sei der Deal ein gutes Geschäft, argumentieren unbeteiligte Beobachter. Ein langfristig orientierter Investor könne eben mit einer niedrigeren Eigenkapitalverzinsung leben als ein aggressiver Investor wie Cerberus. Auch das gestiegene Zinsniveau und der sich so verringernde Abstand zwischen Fremdkapitalkosten und Mietrendite falle bei einer langfristigen Anlagestrategie weniger heftig ins Gewicht.

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