Verkauf von Hapag-Lloyd
Frenzel sucht bei Tui den perfekten Abschluss

Nach dem Verkauf der Reederei will der Konzern möglicherweise durch eine Komplettübernahme der britischen Tochter das Touristikgeschäft ausbauen. Doch fraglich ist, ob Tui angesichts der Verschuldung dafür ausreichend finanziellen Spielraum besitzt.
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DÜSSELDORF. Im Frühjahr 2012 will der Tui-Vorstandschef mit 65 in den Ruhestand gehen – nach 18 Jahren an der Spitze von Europas größtem Reisekonzern und dessen Rechtsvorgänger, der Preussag. Michael Frenzels Nachfolger will er einen reinen Tourismuskonzern übergeben.

Um sein Ziel zu erreichen, muss Frenzel im kommenden Jahr die verbliebene Beteiligung der Tui an der ehemaligen Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd für gutes Geld veräußern – und dieses Geld sinnvoll in den Konzern investieren. Die naheliegende Option wäre die Komplettübernahme der britischen Tourismustochter Tui Travel, an der das Unternehmen bereits 55 Prozent hält. Doch ob es so kommen wird, ist noch offen: Denn einige Aufsichtsräte tendieren laut Konzerninsidern dazu, das Geld lieber zum Abbau der hohen Schulden zu verwenden.

Tui hatte Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Containerschiffreederei der Welt, im Jahr 2008 an das Hamburger Konsortium Albert Ballin mehrheitlich veräußert. Der Kaufpreis basierte auf dem seinerzeit auf 4,45 Milliarden Euro taxierten Unternehmenswert. In der Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise musste Tui dann zunächst 43 Prozent von Hapag-Lloyd behalten und sich zudem milliardenschwer an der Rettung der insolvenzbedrohten Reederei beteiligen. Diese Gelder fließen inzwischen zurück, ein Teil wurde in Anteile umgewandelt, so dass Tui jetzt 49,8 Prozent an Hapag hält.

Ob die Reederei an die Börse geht oder ob sich Investoren für den Tui-Anteil gewinnen lassen, ist noch völlig offen. Genauso offen ist auch, welchen Preis Investoren für die Hälfte von Hapag-Lloyd bezahlen würden. Das hängt nach Einschätzung aus Branchenkreisen ganz wesentlich davon ab, wie sich der Markt der Containerschifffahrt in den nächsten Monaten entwickelt.

Zu den großen Unklarheiten zählt genauso, was Tui mit einem möglichen Milliardenerlös macht. Als naheliegende Lösung wird im Aufsichtsrat und im Unternehmen seit längerem erwogen, die an der Londoner Börse notierte Tui Travel – ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Aktionären des ehemaligen britischen Reiseveranstalters First Choice – zurück nach Hannover zu holen. Der deutsche Konzern hält 55 Prozent der Aktien, bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung von Tui Travel von rund 2,9 Milliarden Euro müsste der Konzern rund 1,3 Milliarden Euro investieren.

In Konzernkreisen gibt es viel Sympathie für einen solchen Schritt. Er würde zu einer straffen Führung des Touristikgeschäfts in Hannover führen und das ertragreiche Geschäft der Tochter Tui Hotels & Resorts stärker mit den Veranstalterreisen kombinieren.

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