Verkauf von U.S. Foodservice
Handelsriese Ahold halbiert sich

Der niederländische Handelskonzern Ahold, nach Bilanzfälschungen 2003 nur knapp der Pleite entkommen, stellt fast die Hälfte seines Geschäfts zum Verkauf. Nach Plänen des Vorstands will sich der weltweit sechstgrößte Einzelhändler allein auf das Supermarktgeschäft konzentrieren – und ertragsschwache Filialketten abgeben.

DÜSSELDORF. Wie Konzernchef Anders Moberg gestern bekannt gab, wird sich Ahold von dem amerikanischen Lebensmittel-Zustelldienst U.S. Foodservice trennen. Die US-Tochter, die vor drei Jahren Auslöser des Finanzskandals war, steuerte zuletzt ein Drittel zum Ahold-Umsatz bei, aber nur sieben Prozent zum operativen Gewinn.

Auch aus der Slowakei und Polen will sich der Amsterdamer Konzern zurückziehen. Tschechien bleibt damit Aholds letztes Land in Osteuropa. In der Region „Zentraleuropa“ hatte der Konzern 2005 einen Verlust von 44 Mill. Euro eingefahren.

Ebenso auf der Verkaufsliste stehen die amerikanische Supermarktkette Tops sowie die Minderheitsbeteiligung an dem portugiesischen Händler Jerónimo Martins. „Zusammengenommen schrieben die nun zum Verkauf stehenden Gesellschaften Verlust“, sagte Moberg.

Gleichzeitig will der Konzern bis Ende 2009 die Verwaltungskosten um 500 Mill. Euro senken, unter anderem durch Stellenabbau. Damit will Moberg insbesondere das amerikanische Supermarktgeschäft stärken. Dort mühen sich Aholds Ketten wie Stop & Shop oder Giant-Carlisle gegen die Übermacht von Wal-Mart und Target.

Schon seit Sommer steht Aholds Vorstandschef unter dem massiven Druck der Hedgefonds Paulsen und Centaurus Capital, die zusammen 6,4 Prozent der Unternehmensaktien besitzen. Anfang August forderten sie das Ahold-Management auf, das komplette US-Geschäft zu verkaufen, um sich allein auf den europäischen Einzelhandel zu beschränken. „Wir glauben, dass die Firma drastische strategische Schritte braucht, um Shareholder Value zu liefern“, erklärten die Fonds damals. Rückendeckung erhielten sie gleich von mehreren Analysten. „Ahold hat viele verschiedene Einheiten mit wenig Synergien“, sagte Stefaan Genoe von Petercam. Branchenexperten wie Erwin Dut vom Amsterdamer Handelshaus Kempen stellten im Falle einer Zerschlagung sogar einen Kurssprung von fast 50 Prozent auf neun Euro in Aussicht.

Den hat Ahold, beflügelt durch Spekulationen über seine Zukunft, schon vor der Präsentation seiner neuen Unternehmensstrategie in den vergangenen Wochen nahezu geschafft. Gestern lag das Papier nach Bekanntgabe der Verkaufspläne dann allerdings mit 8,30 Euro zeitweise leicht im Minus.

Wie Insider berichten, hatten die Niederländer in den vergangenen Monaten vergeblich mit dem halb so großen belgischen Wettbewerber Delhaize über eine mögliche Verschmelzung verhandelt. Die Gespräche mit den Brüsselern, die wie Ahold Supermarktketten in Osteuropa und den USA betreiben, scheiterten bislang aber an der unterschiedlichen Größe der beiden Konzerne.

Die Verkaufspläne räumen dieses Hindernis nun aus dem Weg – zumal Ahold die Hälfte seiner geplanten Erlöse von mehr als vier Mrd. Euro an die Aktionäre ausschütten will. Der Beteiligungsverkauf könne Ahold jetzt in die Lage versetzen, den Merger zu vollziehen, glaubt Chris Gower, Analyst bei Man Securities in London. „Dies brächte für beide Parteien Vorteile“, sagte er. Der Frage nach konkreten Gesprächen wich Ahold-Chef Moberg gestern aus. „Wir schauen immer nach Möglichkeiten zu wachsen“, sagte er.

Unter dem Strich kommt Ahold der 1999 gestartete Ausflug ins amerikanische Zustellgeschäft teuer zu stehen. Zusammen mit weiteren Zukäufen zahlten die Niederländer 6,6 Mrd. Dollar für U.S. Foodservice. Insider schätzen den Wert heute auf nur noch fünf Mrd. Dollar. Die Beteiligungsfirma Clayton Dubilier & Rice soll bereits Interesse bekundet haben.

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