Verkauf von Waren- und Modehäusern
Karstadt-Quelle behält sein Stammhaus

Ist es Nostalgie - oder stimmen die Zahlen? Karstadt-Quelle hat sein Stammhaus in Wismar beim Verkauf der kleineren Warenhäuser ausgenommen. 74 Häuser sowie die Töchter Sinn-Leffers und Runners Point gehen jedenfalls an Finanzinvestoren.

HB ESSEN. Vorstandschef Thomas Middelhoff begründete das Festhalten an dem Wismarer Warenhaus am Mittwoch in Essen so: "Wir haben uns verbunden gefühlt mit den Wurzeln des Konzerns." In der Stadt an der Ostsee hatte Rudolph Karstadt 1886 sein erstes Kaufhaus eröffnet. Weil der Standort gerade einmal über 3200 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt, sollte er wie 74 andere Karstadt-Häuser abgestoßen werden. In Wismar sorgte die Nachricht für Erleichterung. "Wir sind überglücklich", freute sich Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken.

Middelhoff versicherte, mit dem Verkauf der 74 Häuser an ein britisches Konsortium für knapp unter 500 Mill. € sei Karstadt-Quelle die Kaufhäuser ohne Buchverluste losgeworden. "Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass wir unsere Kompakt-Warenhäuser überhaupt - und dann noch in so kurzer Zeit - verkaufen werden. Das ist ein Durchbruch für die nachhaltige Sanierung unseres Unternehmens." Nun starte mit dem Verkauf der Hypothekenbank KHB und den verbrieften Ratenkrediten (ABS) die zweite Phase des Verkaufsprogramms, sagte Middelhoff. Daraus erhofft sich der Konzern weitere 1,3 Mrd. €, die gesamten Verkäufe sollen 2,4 Mrd. € einbringen.

Mit den kleinen Kaufhäusern, Sinn-Leffers und Runners Point verliert Karstadt-Quelle 1,3 Mrd. € Umsatz und verringert die Zahl seiner Mitarbeiter um 10 500. Insgesamt hat der Konzern die Beschäftigtenzahl seit Beginn seiner Sanierung um 25 000 auf 75 000 reduziert. Der Essener Traditionskonzern betreibt nun noch 89 Warenhäuser, darunter Flaggschiffe wie das KaDeWe in Berlin und das Alsterhaus in Hamburg.

Eine durchgreifende Sanierung des im vorigen Herbst von der Pleite bedrohten Handelskonzerns ist trotz aller Beteuerungen Middelhofs aber noch nicht geschafft: Unter dem Strich schlug im ersten Halbjahr 2005 ein Konzernverlust von 265 Millionen Euro zu Buche. Damit wurde das Minus gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres nur um 11 Prozent verringert.

Karstadt-Quelle hatte vor rund zwei Wochen einen Gewinnwarnung herausgegeben und dabei die Prognose für das operative Ergebnis (Ebitda) im Gesamtjahr um 150 auf rund 350 Millionen Euro gesenkt.

Der Konzern kämpfte in den ersten sechs Monaten 2005 weiter mit Umsatzrückgängen. Die Erlöse des Essener Konzerns - ohne die ausgegliederten Feinkostabteilungen - schrumpfte bei Verkäufen und internem Umbau um fast 8 Prozent. Für die Waren- und Sporthäuser von Karstadt wird ein Umsatzminus von insgesamt 6,6 Prozent ausgewiesen. Im Versandhandel um Quelle und Neckermann sank der Umsatz um 8 Prozent. Auch bei Dienstleistungen und Immobilien sank der Umsatz im ersten Halbjahr.

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