Verkauf weiter blockiert
Fährbetreiber Scandlines trotzt den Brücken

Der deutsch-dänische Fährbetreiber Scandlines hat für 2006 gute Zahlen vorgelegt. Gleichzeitig gehen die Spekulationen über den geplanten Verkauf der Reederei weiter. Branchenkreisen zufolge spielen dabei auch politische Befindlichkeiten eine wesentliche Rolle.

HB BERLIN. „Wir haben ein herausragendes Ergebnis erzielt“, sagte Vorstand Uwe Bakosch am Donnerstag auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. Der Gewinn nach Steuern sei wesentlich höher ausgefallen als vor Jahresfrist, sagte Bakosch. 2005 hatte die Rostocker Reederei bei einem Umsatz von 523 Mill. Euro einen Überschuss von 70 Mill. Euro erzielt.

Scandlines bedient Strecken zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und dem Baltikum und sieht sich zunehmend der Konkurrenz durch Brücken gegenüber, die die dänischen Inseln mit dem Festland und mit Schweden verbinden. Am bekanntesten ist die „Vogelfluglinie“, die zwischen Puttgarden auf der deutschen Insel Fehmarn und dem dänischen Rödby verkehrt. 2006 transportierten die 24 Fährschiffe der Reederei rund 20 Mill. Passagiere, 4,2 Mill. Pkw sowie eine Million Lkw. Den Anstieg im Frachtverkehr des vergangenen Jahres bezifferte Scandlines auf drei Prozent. Die Passagierzahlen blieben stabil. Das Unternehmen zählt rund 2 600 Beschäftigte.

Der seit Monaten geplante Verkauf der Ostsee-Reederei bleibt nach Angaben aus Branchenkreisen blockiert. „Es ist derzeit keine Entscheidung zu erwarten“, sagten mit dem Verkauf Vertraute am Donnerstag Reuters. Grund sei die fehlende Unterstützung der Bundesregierung für das von Dänemark forcierte Milliardenprojekt einer Brücke von der Insel Fehmarn nach Dänemark. Der deutsche Betriebsrat warnte in einem Brief an den dänischen Verkehrsminister Flemming Hansen und Bahnchef Hartmut Mehdorn vor einem weiteren Stillstand. Wegen der Blockade gebe es seit Jahren keine Investitionen mehr in die Firma.

Bakosch berichtete dazu nur, dass geplante Verkauf der Bahn-Anteile sei noch nicht abgeschlossen sei. Es gebe noch starke Diskussionen zwischen den Eigentümern, sagte er.

Scandlines gehört je zur Hälfte der Deutschen Bahn und dem dänischen Staat. Zuletzt hatten der Finanzinvestor 3i sowie die Deutsche Seereederei (DSR) zusammen mit Allianz Capital für das Unternehmen nach Angaben aus den Kreisen jeweils gut 1,5 Mrd. Euro geboten. Der Aufsichtsrat der bundeseigenen Deutschen Bahn hatte sich für einen Verkauf an DSR ausgesprochen. Die Dänen favorisierten 3i, die knapp zehn Mill. Euro mehr geboten haben sollen, heißt es.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, man strebe eine schnelle Entscheidung auch im Sinne von Scandlines an. Der Stillstand schade dessen Entwicklung.

Den Angaben zufolge blockieren die Dänen den Verkauf weiter, weil sie verärgert über Äußerungen von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sind. Dieser hatte die Fehmarn-Belt-Querung kürzlich zwar grundsätzlich befürwortet, das Vorhaben aber als nicht vordringlich für Deutschland bezeichnet. Dänemark wünscht sich ein stärkeres Engagement der deutschen Seite.

In dem Brief an den dänischen Verkehrsminister Hansen und Bahnchef Mehdorn appelliert der Betriebsrat, die Blockade beim Verkauf aufzuheben. „Investitionen, die dringend notwendig sind, werden durch den Aufsichtsrat beziehungsweise Anteilseigner nicht genehmigt“, kritisiert der deutsche Betriebsrat Detlef Kobrow in dem Brief, der Reuters vorliegt. Die Gewinne des profitablen Unternehmens seien zu großen Teilen an die Anteilseigner ausgeschüttet worden. Seit 1998 sei kein neues Schiff mehr gekauft worden. Grund für den Verkauf ist auch gewesen, dass sich die Bahn und Dänemark schon in der Vergangenheit bei Entscheidungen blockiert hatten.

Scandlines hat gut 2600 Mitarbeiter die etwa je zur Hälfte in Deutschland und Dänemark arbeiten. Im Dreieck Deutschland-Schweden-Dänemark transportiert die Gesellschaft jährlich rund fünf Mill. Fahrzeuge und 20 Mill. Passagiere.

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