Verkaufspläne laufen
Karstadt-Quelle sucht Chef aus Deutschland

Auf dem Weg aus der Krise sucht Karstadt-Quelle einen Chef aus Deutschland. Einen Tag nach dem Rücktritt von Christoph Achenbach hieß es, die Wünsche konzentrierten sich auf einen charismatischen Handelsfachmann mit Kenntnissen des heimischen Marktes.

HB ESSEN. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kommt ein Manager aus dem Ausland eher nicht in Frage. Die Suche nach einem geeigneten Mann werde von einem engeren Kreis des Aufsichtsrats um Thomas Middelhoff vorangetrieben und könne zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Achenbach wurden fehlende Kommunikationsfreudigkeit und zu langsames Sanierungstempo vorgeworfen.

Mit dem Finanzvorstand Harald Pinger (45) hat der Aufsichtsrat lediglich einen Übergangskandidaten gewählt, der die Arbeit des Konzernvorstandes koordinieren soll. Der Vorstand habe aber volle Entscheidungsgewalt, betonte das Unternehmen.

Der dringend notwendige Verkauf von Unternehmensteilen im Wert von mindestens 1,1 Milliarden Euro kommt unterdessen offensichtlich in Schwung. „Das vorgesehene Verkaufsprogramm wird vorgesehen wohl in diesem Jahr abgeschlossen“, kündigte Konzernsprecher Jörg Howe in Essen an.

Investoren bestätigten am Freitag Interesse an Logistik- wie Warenhausteilen. Rhenus habe inzwischen ein Gebot für die Versandzentren von Neckermann und Quelle abgegeben, bestätigte ein Sprecher im westfälischen Holzwickede. Auch die Post ist interessiert. Der Wert soll bei über 200 Millionen Euro liegen. Für das Paket von 75 kleineren Warenhäusern will der Hamburger Finanzinvestor BC Partners rund 400 Millionen Euro in die Hand nehmen, wurde in Bankenkreisen bekannt. Howe bestätigte Gespräche mit mehreren Interessenten für beide Verkaufsteile. Für rund 400 Millionen Euro hat der Konzern bereits Unternehmensteile und Beteiligungen verkauft.

Die Fachgewerkschaft ver.di forderte nach dem Führungswechsel eine Fortsetzung des eingeschlagenen Sanierungskurses gefordert. „Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen der Neubesetzung des Postens und einer Richtungsänderung“, sagte die für den Einzelhandel zuständige Sekretärin im ver.di Bundesvorstand und Karstadt-Quelle Aufsichtsrätin, Gertrud Tippel-Kluth. ver.di möchte dazu auf dem Chefsessel einen Mann mit „Ahnung vom Handel“ und Führungsqualitäten sehen. Die Frage, ob der Posten mit Karstadt-Quelle-Finanzchef Harald Pinger besetzt werden könne, habe sich „nie gestellt“, sagte die Aufsichtsrätin.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hofft nach den Turbulenzen um Achenbach, dass Ruhe in den Konzern einkehrt und die Sanierungsaufgaben verstärkt abgearbeitet werden. Achenbach sei in den vergangenen Monaten mehr damit beschäftigt gewesen, die Kampagne um seine Person über sich ergehen zu lassen, als wirklich an der Sanierung zu arbeiten. „Hoffentlich wird der Vorstand jetzt im Team zusammenarbeiten, damit Karstadt-Quelle wieder Boden unter den Füßen bekommt“, sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Die Zwischenlösung mit Harald Pinger bezeichnete Kurz als „sehr ungewöhnliche“ Maßnahme. „Es ist nicht gut, dass es keine Cheflösung gegeben hat“.

Personalexperten betonten, dass jetzt „ein Großsanierer mit außergewöhnlichen Kompetenzen“ notwendig sei. Der Mann müsse in der Lage sein, alles durchzusetzen, der eine klare Zielsetzung und Belehrungen aus dem Aufsichtsrat nicht nötig hat“, sagte Claus Goworr von der Unternehmens- und Personalberatung CGC München. Bei Karstadt-Quelle hätten zu viele hineingeredet. Entweder arbeite der Neue eng mit Aufsichtsratschef Middelhoff zusammen - „oder dieser macht es selber“. Wenn der Neue nicht zu 100 Prozent mit Middelhoff zieht, werde er auch „ausgezählt“.

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