Verkehr in Los Angelese
Der Schmerz an der Zapfsäule

Für Amerikaner ist das eigene Auto zweifelsohne Teil der Erfüllung des amerikanischen Traums, der ihm ein Gefühl von Freiheit verleiht. Da fällt es schwer, seine Karosse stehen lassen zu müssen. Dank hoher Spritpreise in Los Angeles satteln die Einwohner schon immer öfter um – auf öffentliche Verkehrsmittel.

LOS ANGELES. Die Chevron Station an der Ecke Alameda und Nord Main Street mit dem roten Dach und dem winzigen Kassenhäuschen hat einen zweifelhaften Ruf zu verteidigen. Sie ist die teuerste Tanke in ganz Los Angeles, hat der Lokalsender KCAL herausgefunden. Die Gallone Normalbenzin (3,785 Liter) kostete hier am Wochenende 3,68 Dollar. Der US-Durchschnitt lag da bei 2,90 Dollar, und selbst das sind 40 Prozent mehr als noch vor einem Monat.

Viele Autofahrer parken ihr Gefährt auf dem Gelände der Tankstelle nur, um in der historischen Olvera Street mexikanisch Essen zu gehen oder zwei Blocks weiter in das quirlige Treiben von Chinatown einzutauchen. Getankt wird woanders.

Oder sie kommen direkt mit Bus oder Bahn. So boomt der öffentliche Nahverkehr in der Stadt, die auch für ihre mehrstöckigen Autobahnkreuze und die schlimmsten Staus in den USA berühmt ist. Gut elf Prozent mehr Fahrgäste zählt die Nahverkehrsgesellschaft Metropolitan Transportation Authority im ersten Quartal. Sie alle treibt „The Pain at the Pump“, in Bus und Bahn. Nun beeilt sich die zweitgrößte Stadt der USA, die Versäumnisse der Vergangenheit beim Nahverkehr wieder gut zu machen.

Hatte Kaliforniens größte Stadt in den 20er Jahren noch ein dichtes Straßenbahnnetz, wurde 1961 die letzte Schiene aus dem Asphalt gerissen. Fortan war LA die einzige große Metropole Amerikas ohne ein alternatives Nahverkehrssystem zur Straße.

Seit 1990 wurden vier Straßen- und U-Bahnlinie neu eröffnet, und es beginnt sich auszuzahlen. Alleine bei der 4,5 Mrd. Dollar teuren Red Line nach Nord Hollywood stiegen die monatlichen Fahrgastzahlen von März 2004 bis März 2006 von 2,7 auf 3,8 Millionen. Die Union Station mit ihren Amtrak- und Metrorail-Zügen, Bus- und U-Bahnlinien bewältigt heute wieder 50 000 Fahrgäste täglich.

Die neue Lust auf Nahverkehr hat politische Dimensionen. Mitte März ließ es sich der neue Bürgermeister Antonio Villagairosa nicht nehmen, persönlich den ersten Non-Stop-Bus für die rund 45-minütige Fahrt von Downtown zum internationalen Flughafen zu eröffnen. Für den Fahrpreis des Union Station Flyaway gibt es gegenüber gerade mal drei Liter Benzin.

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