Verkehrspolitik
Spediteure hoffen auf die Wende

Die schwerste Krise der Nachkriegszeit hat die Logistikbranche hart getroffen. Die neue Bundesregierung müsse darum schnell handeln und die angeschlagene Branche zu unterstützen, fordern führende Vetreter fordern. Zunächst müsse die Lkw-Maut gesenkt und die Infrastruktur ausgebaut werden.

KÖLN. Schon wenige Tage nach der Bundestagswahl sind führende Vertreter der Logistikbranche mit Wünschen an die Unionsparteien und die FDP heran getreten. Karlheinz Hornung, Finanzchef des Lkw-Herstellers MAN, forderte eine Senkung der Mautgebühren für Autobahnen. Heiner Rogge, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), verlangt, dass "die Regierung alle Überlegungen aussetzt, die weitere Kosten für unsere Unternehmen bedeutet".

Die schwerste Krise der Nachkriegszeit hat die Branche hart getroffen. Nicht nur der Gütertransport auf der Straße ist eingebrochen, auch die Luftfahrt und die Bahn verzeichnen hohe Einbußen. So ist das weltweite Transportvolumen im Luftfrachtbereich auf das Niveau des Jahres 2000 gefallen, die Verkehrsleistung der Bahn fiel in Deutschland im ersten Halbjahr um 27 Prozent.

Trotz zuletzt wieder optimistischerer Zahlen steckt die Logistik weiter in der Krise - nicht umsonst fordern die Unternehmen von der neuen Bundesregierung mehr Unterstützung. Verärgert sind viele Spediteure über die Mauterhöhung Anfang des Jahres, die die Kosten um sechs bis acht Prozent in die Höhe getrieben hat. Die Erhöhung der Lkw-Maut stelle ein erhebliches Problem für das Transportgewerbe dar, sagt Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik. DSLV-Vertreter Rogge spricht von einem "Existenzvernichtungsprogramm für die Branche".

Ob die Proteste bei der neuen Bundesregierung Gehör finden, ist fraglich. Sowohl CDU/CSU als auch die FDP haben sich im Wahlkampf mit klaren Aussagen zurückgehalten. Zumindest sollen keine neuen Kosten auf die Branche zukommen. "Nachdem in der Vergangenheit immer neue Belastungen auf den Güterverkehr abgewälzt wurden, haben wir uns klar darauf verständigt: Diese Koalition wird die Lkw-Maut nicht erhöhen oder ausweiten. Eine weitere Belastung des Transportgewerbes ist absolut tabu", sagt FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring.

Die Maut ist jedoch nicht das einzige Thema, das die Branche umtreibt. Rogge hofft auf eine grundsätzliche Wende in der Wirtschaftspolitik - und das europaweit. "Brüssel und Berlin waren in den vergangenen Jahren die Kostentreiber für die Logistikbranche", sagt der DSLV-Hauptgeschäftsführer. Er verlangt, dass die EU von ihrem Plan absieht, die Umwelt-, Stau- und Lärmkosten in die Mautberechnung mit einfließen zu lassen. "Die Politiker subventionieren den Eisenbahnverkehr und verteuern den Straßengüterverkehr immer weiter. Diese einseitige Bevorzugung muss ein Ende haben", sagt Rogge. Bei der FDP stößt er auf offene Ohren: "Wir werden Wettbewerbsverzerrungen auf europäischer Ebene und zwischen den Verkehrsträgern abbauen", gibt Politiker Döring die Richtung vor.

Weitere Forderungen des DSLV betreffen die Technik. "Wir haben auf den deutschen Autobahnen anachronistische Verkehrsleitsysteme. Die Lkw-Fahrer bekommen ständig veraltete Staudaten. Wir brauchen eine Echtzeit-Erfassung", sagt Rogge. Technisch sei das längst möglich. So könnte der Staat zur Verkehrserfassung die Toll-Collect-Systeme nutzen. Zudem hofft Rogge auf die Zulassung größerer Lkws. Die sogenannten Gigaliner verfügen über ein bis zu 50 Prozent größeres Ladevolumen. Bedenken über Umweltschädigung oder eine zu hohe Belastung für die Straßen des DSLV-Experte nicht: "Klar ist: Das Transportvolumen auf den Straßen wird steigen, da brauchen wir mehr Kapazität."

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