Verlage
E-Books polarisieren die Buchbranche

Papier war gestern: Auch auf der Leipziger Buchmesse träumen die Verleger vom Handel mit elektronischen Büchern. Doch bisher verkaufen sich die Lesegeräte für E-Books nur mäßig. Denn die digitale Revolution birgt noch einige Tücken für Verleger und Leser.

DÜSSELDORF. Auf der am Donnerstag beginnenden Leipziger Buchmesse beherrscht das elektronische Buch die Diskussionen. Die Markteinführung des Lesegeräts des japanischen Unterhaltungskonzerns Sony heute entzweit Verleger und Buchhändler. Wird der flache, in Kunstleder gebundene Bildschirm tatsächlich zum Totengräber des klassischen Buches zwischen zwei Deckel? Die meisten Verlage und Händler haben einen pragmatischen Blick auf den Minicomputer mit dem komplizierten Produktnamen PRS-505. "Der E-Reader ist für anspruchsvolle Literatur oder Wissenschaft ungeeignet. Er kann beispielsweise keine osteuropäischen Sonderzeichen lesen oder Fußnoten verwalten", sagt der Berliner Verleger Christoph Links.

Der Marktführer Random House sieht die technische Innovation weniger kritisch. "Wir verstehen die Einführung der neuen Lesegeräte als Chance, neue Zielgruppen anzusprechen und Viellesern ein zusätzliches Angebot zu offerieren", heißt es beim Münchener Buchkonzern. Die Tochter des Medienriesen Bertelsmann bietet bereits seit acht Jahren E-Books an. Derzeit sind mehr als 1 000 Titel im Programm. Das Angebot wird nach Unternehmensangaben sukzessive ausgebaut.

Große Umsätze sind mit den elektronischen Büchern aber bislang nicht zu machen. "Das ist ein winziges Nebengeschäft. Wenn wir von einem Sachbuch 5 000 Exemplare verkaufen, sind es im E-Book-Bereich ganze fünf Exemplare", sagte ein bayerischer Verleger. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kennt die Misere. "Verlage und Buchhandel sind zögerlich. Die Verlage wagen sich langsam heran, aber längst noch nicht alle machen mit."

Ob der E-Reader von Sony die Situation grundlegend ändert, bleibt offen. Denn bislang war der Schwarzweiß-Bildschirm der Japaner noch kein Verkaufsschlager. Seit der Markteinführung 2006 sind nach Unternehmensangaben weltweit nur 300 000 Geräte verkauft worden. Deutschland ist das dritte europäische Land, in dem Sony mit seinem Gerät nun endlich den Siegeszug antreten möchte. Im Sommer wurde der E-Reader in Großbritannien und im Herbst bereits in Frankreich eingeführt. In der Bundesrepublik hat der Angriff auf das herkömmliche Buch länger als erwartet gedauert: Der hiesige Buchhandel ist trotz einer seit Jahren laufenden Konsolidierung zersplittert und kompliziert.

Der Sony-Konkurrent Amazon hält sich mit seinem elektronischen Lesegerät Kindle in Deutschland weiter zurück. Auf Anfrage wollte der US-Internethändler gestern keinen Starttermin nennen. In der Buchbranche geht man davon aus, dass Amazon im Herbst bei der Frankfurter Buchmesse zum Gegenangriff übergehen wird. In den USA wird die überarbeitete Version des Kindle bereits aggressiv vermarktet, Verkaufszahlen nennt Amazon aber nicht.

Seite 1:

E-Books polarisieren die Buchbranche

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%