Verlagen und Händlern droht Umsatzminus
Buchmarkt schwächelt vor dem Fest

Die Buchbranche wartet bisher vergeblich auf eine Rettung durch das Weihnachtsgeschäft. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern wird die Branche in diesem Jahr voraussichtlich ein Umsatzminus verkraften müssen, denn das Geschäft verläuft bisher enttäuschend.

DÜSSELDORF. „Uns fehlt in diesem Jahr ein Bestseller wie ,Harry Potter’ oder ,Sakrileg’. Es gibt kein Buch, das es schafft, lange auf den Bestseller-Listen zu bleiben“, sagt Karlheinz Jungbeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Lübbe. Auch die aus der Fusion von Weltbild und Hugendubel hervorgegangene DBH Buch Handels GmbH, vermisst „Harry Potter“. „In diesem Jahr fehlen uns herausragende Buchtitel“, sagt eine Sprecherin des mit 451 Filialen größten Buchhändlers in Deutschland. Ein Händler aus dem Südwesten, der ungenannt bleiben möchte, sagt zu einem erwarteten Umsatzminus nur so viel: „Vier Prozent wären ein blaues Auge.“

Nach Angaben von Unternehmen erreichen die Umsätze des für die Branche so wichtigen Dezembergeschäfts das Vorjahresniveau bisher nicht. „Es ist ein harter Kampf“, heißt es bei einer bundesweiten Ladenkette. Nun ruhen die Hoffnungen der Branche auf den letzten Tagen vor Weihnachten. „Einen Endspurt hat es in jedem Jahr gegeben“, betont Lübbe-Chef Jungbeck.

Auch der größte Buchhändler in Deutschland, DBH, setzt auf eine Aufholjagd auf den letzten Metern. „Der Start war schleppend. Doch jetzt geht es voran“, sagt eine Sprecherin. Den größten Optimismus zeigt der seit Jahren defizitäre Club Bertelsmann. „Unsere Mitglieder kaufen in der Weihnachtszeit mehr als im Vorjahr“, sagt Bernd Schröder, Mitglied der Geschäftsführung. Die Buchgemeinschaft des Medienkonzerns betreibt in Deutschland 300 Filialen.

Doch trotz aller Zuversicht für die restlichen Wochen fallen die Zahlen für das bald beendete Jahr enttäuschend aus. In den ersten elf Monaten lagen die Erlöse nur noch 0,3 Prozent über dem Vorjahr. Insbesondere Sachbücher sind in diesem Jahr deutlich weniger gefragt. Einer Erhebung des Branchenmagazins „Buchreport“ zufolge ging der Umsatz von gebundenen Sachbücher um knapp elf Prozent zurück. Bei den Taschenbüchern in diesem Segment habe es eine ähnliche Entwicklung gegeben.

Beim Hamburger Verlag Hoffmann & Campe drohen die Memoiren „Entscheidungen“ des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder eine Enttäuschung zu werden. Nur eine Woche konnten sich die Erinnerungen auf Platz eins der „Spiegel“-Bestseller-Liste halten. Bisher sind rund 200 000 Büchern ausgeliefert. „Wir sind der Meinung, dass das Buch eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung war“, sagt Markus Klose, Geschäftsführer bei Hoffmann & Campe.

Das schlecht laufende Weihnachtsgeschäft ist für die Branche eine bittere Pille. Denn damit sind die Wachstumshoffnungen zerstört. 2005 hatte die Buchbranche dank der Bestseller wie „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann erstmals nach vier Jahren wieder ein leichtes Umsatzplus gemacht. Die Erlöse stiegen um 0,9 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro. Die Branche sei aus einer Ohnmacht erwacht, sagte damals Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Die traditionellen Läden konnten vom Zwischenhoch allerdings nicht profitieren. Während der Versandbuchhandel zweistellig zulegte, setzten klassische Buchhandlungen rund ein Prozent weniger um. Die Buchbestellungen über das Internet boomen dagegen weiter. „Über das Internet steigern wir unsere Umsätze um 20 bis 30 Prozent“, sagt eine DBH-Sprecherin. Eine Entspannung im Buchmarkt ist derzeit noch nicht in Sicht. „Der Markt bleibt angesichts der Kaufkraft schwierig“, heißt es bei DBH. Doch nicht nur die stagnierenden Realeinkommen machen der Branche zu schaffen, auch die sich verändernde Mediennutzung setzt Verlagen und Händlern zu.

Angesichts der Informationsmöglichkeiten im Internet, verkaufen sich Lexika und Fachbücher schlechter. Vor diesem Hintergrund sind die Aussichten der Branche weiter bescheiden. „Es gibt eine Seitwärtsbewegung. Wenn wir ein leichtes Wachstum erzielen, sind wir schon glücklich“, sagt Lübbe-Chef Jungbeck. Auch der Handel ist für 2007 zurückhaltend. „Wir erwarten stagnierende, maximal leicht wachsende Umsätze im nächsten Jahr“, sagte eine DBH-Sprecherin.

Branche unter Druck

Konsolidierung: Die Konzentration verschärft sich. Viele kleine Händler verkaufen angesichts rückläufiger Erlöse ihre Läden. Davon profitieren DBH, das Joint Venture von Weltbild und Hugendubel und der Verfolger Thalia,Tochter des Handelskonzerns Douglas.

Umsatzminus: Verlage und Buchhändler zittern um das Weihnachtsgeschäft. Die Umsätze in der Adventszeit liegen nach Branchenangaben bisher unter denen des Vorjahres. Nun hofft die Branche noch auf einen Endspurt bis Heiligabend.

Bestsellerproblem: Im Gegensatz zu früheren Jahren fehlt dem Buchhandel diesmal ein Bestseller vom Schlag eines „Harry Potter“. Die Memoiren von Ex-Kanzler Schröder können das Problem nicht lösen. Sachbücher laufen diesmal besonders schlecht.

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