Verlagert und verladen
Lufthansa kämpft mit Qualitätsproblemen

Um zu sparen, hat die Lufthansa Teile ihrer Abfertigung von Frankfurt nach Kapstadt verlagert. Seitdem häufen sich die Fehler in den Ladeplänen. Kunden und eigene Mitarbeiter beschweren sich immer lauter - aus Sorge: Denn ist ein Flugzeug falsch beladen, könnte es sogar abstürzen.

FRANKFURT. Die Maschine der slowenischen Fluggesellschaft Adria Airways ist aus dem Gleichgewicht. An Bord sind nicht 34 Passagiere, sondern 41. Auch die Zahl der Koffer stimmt nicht: Statt 60 liegen nur 28 im Laderaum. Im letzten Moment vor dem Start bemerkt der Pilot, dass das Ladedokument falsch ist. Er ist außer sich. Ohne genaue Gewichtsangaben und entsprechende Ausbalancierung seines Flugzeugs kann er nicht abheben - das wäre viel zu gefährlich. Die planmäßige Abflugzeit am Frankfurter Flughafen rückt immer näher, ihm droht eine saftige Verspätung. Endlich kommt das korrigierte Ladedokument aus Kapstadt doch noch.

Der Fall vom Frühjahr dieses Jahres ist nur einer von wohl Hunderten. Mal sind es falsche Passagier- und Gepäckangaben, mal stimmt die Spritmenge nicht, ein anderes Mal wird alles richtig gerechnet - nur für den falschen Flugzeugtyp. Mal ist es ein Pilot von Adria Airways, der im Cockpit vor dem Start hektisch wird, ein anderes Mal die Crews von Kuwait Airlines, der portugiesischen Tap, der polnischen Lot, Croatia Airlines, Austrian Airlines - oder auch der Lufthansa (siehe: Dokumentation).

Für Letztere ist das besonders ärgerlich. Denn die falschen Angaben stammen von der Lufthansa selbst. Deren "Global Load Control Center" sorgt für fast 30 Airlines und für drei Viertel der Lufthansaflüge ab Frankfurt dafür, dass Piloten vor dem Start alle für einen sicheren Flug notwendigen Informationen über Passagiere, Fracht und Betankung erhalten. Doch seit Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber vor rund drei Jahren die Abfertigung von Frankfurt nach Kapstadt, Istanbul und Brünn verlagert hat, ist die Qualität mangelhaft. Einer internen Auswertung von Lufthansa zufolge, die dem Handelsblatt vorliegt, waren allein im Juni dieses Jahres die Ladedokumente von 608 Flügen ab Frankfurt zu beanstanden.

Das beschert Lufthansa-Chef Mayrhuber ein ernstes Problem - ernster vielleicht als die jüngsten Streiks seiner Piloten, der hohe Ölpreis oder das Poker um die Übernahme von Austrian Airlines. Nicht nur sind Fehler bei der Beladung im Flugverkehr sehr gefährlich - entsprechend groß ist der Ärger vieler Piloten. Auch drohen Mitarbeiter im Load Control Center in Kapstadt mit Kündigung, weil sie die Arbeitsumstände nicht mehr mittragen wollen. Und ein Kunde verlangt schon, dass Lufthansa die Verlagerung teilweise rückgängig macht und seine Flüge wieder in Frankfurt abfertigen lässt.

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