Verlagerung von Chemiewerk
Fraport erkauft sich Ausbau teuer

Damit der Frankfurter Flughafen ausgebaut werden kann, hat die Betreibergesellschaft Fraport die nahe Chemiefirma Ticona mit einer Millionensumme zum Wegzug überredet. Eigentlich ist das eine gute Nachricht, denn damit endet ein jahrelanger Streit. Doch Freude will nicht so recht aufkommen, vor allem nicht bei den Fraport-Aktionären.

HB FRANKFURT. Wie die Flughafenbetreiberin Fraport und der Ticona-Mutterkonzern Celanese am Mittwoch in Frankfurt am Main erklärten, unterzeichneten beide Seiten eine Absichtserklärung für die Verlagerung des Chemiewerkes, das dem Bau einer neuen Landebahn im Nordwesten des Flughafengeländes im Weg ist. Fraport lässt sich die Umsiedelung stattliche 650 Mill. Euro kosten – und genau daran stören sich Anleger und Fluggesellschaften gleichermaßen. Denn die Summe erscheint beiden Gruppierungen als sehr hoch.

Die Anleger verabschiedeten sich dann auch scharenweise aus der Fraport-Aktie. Das Papier verlor in der Spitze rund 5 Prozent an Wert, erholte sich bis zum Mittag jedoch wieder etwas und lag bei minus 3 Prozent. Dagegen konnte der MDax, in dem auch das Fraport-Papier notiert, zeitgleich um knapp 1 Prozent zulegen.

Marktbeobachter werteten die Einigung zwischen Celanese und Fraport gleichwohl als sinnvoll. Die Werksverlagerung sei eine vernünftige Lösung des mehrjährigen Streits zwischen beiden Konzernen, sagte Per-Ola Hellgren, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Damit sei einer der größten Hürden für den Flughafenausbau genommen, der für Fraport unerlässlich sei: „Aus fundamentaler Sicht wird allerdings die Zahlung von 650 Mill. Euro über fünf Jahre den fairen Wert der Aktie drücken.“ Aus diesem Grund senkte er senkte das Kursziel von 64 auf 60 Euro. Auch die Analysten von Equinet änderten aufgrund der Millionen-Zahlung ihre Kaufempfehlung in „Halten“.

Die Deutsche Lufthansa – größter Kunde und Anteilseigner von Fraport – hat die Einigung im Streit um den Frankfurter Flughafenausbau zwar ebenfalls begrüßt. Die geplante Stilllegung des Chemiewerks Ticona nahe dem Flughafen schaffe Rechtssicherheit, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Mittwoch. Das Wachstum in der Luftfahrt gehe schon jetzt wegen der Kapazitätsengpässe weitgehend an Frankfurt vorbei. Doch warnte die Fluggesellschaft warnte vor höheren Gebühren wegen der zusätzlichen Kosten für die neue Landebahn.

Der Bau wird durch die Einigung um 390 Mill. Euro verteuert und soll nun bis zu 3,7 Mrd. Euro kosten. Die Inbetriebnahme verzögert sich voraussichtlich um ein weiteres Jahr bis Mitte 2011; ursprünglich sollte die Bahn schon 2008 in Betrieb gehen. Doch erst 2011 wird Ticona seine Fabrik vollständig verlegt haben. Wohin, ist noch unklar. Vor der in der vergangenen Nacht erzielten Einigung hatte Fraport die Kosten des Ausbaus im Zusammenhang mit Ticona bereits mit 200 Mill. Euro veranschlagt. Die Differenz zu den 650 Mill. Euro, die Fraport an das Chemieunternehmen zahlt, ergeben sich aus dem Grundstückswert von 60 Mill. Euro. Das Gelände fällt bis 2015 komplett an den Flughafen.

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