Verlagsinsolvenz
Weltbild-Sanierer warnte Kirche vor „Schlecker II“

Die Mitarbeiter des Weltbild-Verlags erfahren heute auf einer Betriebsversammlung Näheres zur Pleite des Hauses. Die kirchlichen Eigner versuchen, Kritik zu entkräften – man müsse Kirchensteuereinnahmen schützen.
  • 7

DüsseldorfDie katholische Kirche verteidigt die Entscheidung, den Weltbild-Verlag in die Insolvenz zu schicken. „Wir konnten es als Gesellschafter nicht verantworten, auf absehbare Zeit dreistellige Millionensummen aus Kirchensteuermitteln zu investieren“, sagte der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx der Süddeutschen Zeitung. In der Nacht zu Freitag hatten die kirchlichen Eigner sich dagegen entscheiden, weiteres Geld für die Sanierung des angeschlagenen Unternehmen bereit zu stellen. Zuerst hatte Handelsblatt Online über die Pleite berichtet.

Laut Süddeutscher Zeitung hatten der seit Herbst als Sanierer im Unternehmen tätige Manager Josef Schultheis und Geschäftsführer Carel Halff in der entscheidenden Präsentation die negativen Auswirkungen einer Pleite für die Kirche deutlich betont. „Negative Öffentlichkeitswirkung ("Schlecker II"): Kirche als Gesellschafter überlässt sanierungsfähige Gruppe der Zerschlagung in der Insolvenz“, hieß es in der Präsentation. Doch auch das konnte die Eigner – zwölf Diözesen, der Verband der Diözesen und die Soldatenseelsorge Berlin – nicht umstimmen.

Bis Ende 2013 war stets die Rede von einer Summe zwischen 60 bis 65 Millionen Euro an benötigtem Geld zur Stabilisierung des Hauses. Dies hätten die Diözesen wohl noch gestemmt. Nun aber hätten die Gesellschafter in den nächsten drei Jahren 135 bis 160 Millionen Euro zuschießen müssen. Hinzu kommt die hohe Verschuldung. In kirchennahen Kreisen in Bayern ist von einer Verschuldung im „soliden dreistelligen Millionenbereich“ die Rede. Die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat zeigen sich entsetzt ob der Entscheidung der Eigner. Die Kirchenvertreter versuchen, die Härte der Kritik mit Versprechen zu dämpfen.

„Wir stehen zu unserer Verantwortung“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Dieter Beer, Generalvikar des Erzbistums München, gegenüber dem Handelsblatt. Für die „Abfederung der sozialen Härten“ werde man das ursprünglich für die Restrukturierung vorgesehene Geld in die Hand nehmen.

Seite 1:

Weltbild-Sanierer warnte Kirche vor „Schlecker II“

Seite 2:

Unklare Zukunft für gemeinsame Holding mit Hugendubel

Kommentare zu " Verlagsinsolvenz: Weltbild-Sanierer warnte Kirche vor „Schlecker II“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Geschäftsführerin von Hugendubel heißt also Hubendubel? Was für eine zufällige Ähnlichkeit ;-)

  • Es ist noch nicht lange her, daß die katholischen Bischöfe die Opfer ihrer perversen Priesterkollegen mit läppischen 5000 Euro abgespeist haben.
    Die Politiker waren wieder mit von der Partie, nach ihrem üblichen Motto: Wir stehen treu zu den Tätern.
    Da haben die Weltbild Mitarbeiter nicht viel zu erwarten.
    Im besten Falle für sie, wird der Steuerzahler den Löwenanteil übernehmen und die heilige katholische Kirche mehr einen symbolischen Beitrag leisten.
    Was die Lehmänner nicht davon abhalten wird, sich selber als gute Christen zu feiern.
    Eine Trennung von Staat und Kirchen ist überfällig.

  • Die Entscheidung der Kirche ist richtig. Weltbild hat ein völlig veraltetes Geschäftsmodell, das nicht sinnvoll aktualisierbar ist. Geld zu verbrennen, auch wenn es zeitweise Existenzen sichert, ist nicht sozial, auch wenn die Betroffenen verständlicherweise das nicht wahrhaben wollen.
    Da ist es eher besser in was Neues zu investieren, das zukunftsfähig ist. Die Weltbildjobs sind ja nicht weg, sie sind mittlerweile bloß woanders.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%