Verluste
Lufthansa stellt sich auf schwere Zeiten ein

Unterm Strich rote Zahlen für die Lufthansa - wenn auch wegen eines Sondereffektes: Deutschlands größte Airline hat ein schwieriges Jahr 2011 hinter sich. Und auch der Ausblick fällt nicht allzu optimistisch aus.
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FrankfurtDie Lufthansa rechnet wegen hoher Kerosinpreise und der unsicheren Wirtschaftsaussichten mit mauen Geschäften. 2012 dürfte ein operativer Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich erzielt werden, teilte die größte deutsche Fluggesellschaft am Donnerstag mit. Das wäre abermals ein Rückgang, schon 2011 war das Ergebnis um ein Fünftel auf 820 Millionen Euro gesunken. Falls sich die Rahmenbedingungen auf der Kosten- und Erlösseite jedoch „sehr vorteilhaft“ entwickelten, sei es auch möglich, das Vorjahresergebnis zu übertreffen. „Das erscheint auf Basis der heutigen Parameter jedoch sehr ambitioniert“, hieß es im Geschäftsbericht. Pessimistische Analysten rechnen dagegen sogar mit einem Verlust.

Die größte deutsche Fluggesellschaft war 2011 wegen des angestrebten Verkaufs der Tochter British Midland in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust betrug 13 Millionen Euro. Da der Konzern damit aber auch bald einen großen Verlustbringer los sein könnte, dürfte das Konzernergebnis 2012 besser ausfallen, hieß es. In trockenen Tüchern ist der Verkauf von BMI an British Airways noch nicht - die EU-Kommission muss zustimmen. Trotz des Nettoverlusts 2011 zahlt die Lufthansa aus den Bilanzreserven eine Dividende von 25 Cent. Der Umsatz kletterte 2011 um rund acht Prozent auf 28,7 Milliarden Euro.

Während die Marke Lufthansa und die Schweizer Tochter Swiss und Lufthansa Cargo im Fluggeschäft schwarze Zahlen schreiben, stecken die Österreich-Tochter Austrian Airlines (AUA) und der Billigflieger Germanwings in der Verlustzone. Besonders die defizitäre österreichische Tochter trübt die Bilanz. Die frühere österreichische Staatsfluglinie hat auch im vergangenen Jahr einen deutlichen Verlust von 62 Millionen Euro eingeflogen und massive Finanzprobleme.„Die AUA hat heute nicht mehr ausreichend Kapital“, gab AUA-Aufsichtsratschef Stefan Lauer am Dienstag zu Protokoll.

Die Lufthansa will darum das AUA-Eigenkapital um 140 Millionen Euro aufstocken, kündigte Lufthansa-Chef Christoph Franz an. Der Beschluss des Lufthansa-Aufsichtsrats setze die Umsetzung erfolgreicher Sanierungsmaßnahmen voraus. Insbesondere die Piloten wehren sich gegen niedrigere Gehaltstarife zur Sanierung. Lufthansa bereitet den Betriebsübergang der AUA auf die tarifgünstigere Tochterfirma Tyrolean vor. Austrian Airlines hat am Dienstag ein Sparpaket geschnürt, dürfte aber nach Einschätzung des Vorstands auch in diesem Jahr nicht an die operative Gewinnschwelle herankommen.

Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz steht die Lufthansa noch komfortabel da. Air France/KLM, der größten europäische Konkurrent der Lufthansa, verdient im operativen Geschäft seit Jahren kein Geld mehr. Allein im Jahr 2011 haben die Franzosen in Europa Verluste von rund 700 Millionen Euro eingeflogen. Die Verluste aus den vergangenen vier Jahren summieren sich mittlerweile auf rund 2,72 Milliarden Euro. Bis Ende 2012 sollen darum die Schulden auf 6,5 Milliarden Euro begrenzt werden. Es wird weniger Geld in neue Flugzeuge investiert, die Gehälter werden eingefroren, neue Mitarbeiter vorerst nicht eingestellt werden. Erstmals in der Geschichte werden auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Die Stimmung der europäischen Luftfahrtbranche schwankt zwischen Pessimismus und Depression. Die Fluggesellschaften fürchten die Folgen der anstehenden EU-Umweltgabe. Zudem steigt der Konkurrenzdruck durch die Billigflieger, die hohen Kerosinpreis verhageln den Airlines zusätzlich die Bilanzen. Wachstum ist nicht mehr zu erwarten. Zuletzt schlug auch Tony Tyler, Chef der Weltluftfahrt-Organisation Iata, Alarm. Sollte sich die Wirtschaft in Europa nicht erholen, müssten die Fluggesellschaften in den kommenden Jahren mit Milliardenverlusten rechnen.

Der Kontinent schwächelt: Durch die Schuldenkrise ist die Konjunktur in Süd- und Osteuropa am Boden, die Zahl gut zahlender Geschäftsreisender, mit denen Fluglinien das meiste Geld verdienen, sinkt. Mit der deutschen Cirrus, der spanischen Spanair und der ungarischen Malev mussten allein im Januar drei Fluggesellschaften Insolvenz anmelden. Grounding nennen Luftfahrtexperten ein solches Airline-Sterben.

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  • Persaldo - Mit welchen Airlines fliegen Sie sonst ?
    Mit Lufthansa Worten: There are ALWAYS a better way to fly as
    Lufthansa. Kundenservice ist bei LH in Deutschland immer noch
    ein Fremdwort. Sollten Sie allerdingst Senator oder HON sein
    fallen Sie natürlich aus dem Rahmen!

  • "Die Lufthansa gibt sich wegen hoher Kerosinpreise und der unsicheren Wirtschaftsaussichten mit mauen Geschäften." Was gibt sich die Lufthansa? Unvollständige Sätze, Tippfehler, "das" mit "dass" vertauscht. Ein bisschen mehr sprachliche Aufmerksamkeit, bitte!

  • Teuer, besonders bei innereuropäischen Kuzstrecken. Service allenfalls Durchschnitt (Senator Lounge in München, B gates zB ist ganz übel). Essen auf Langstrecke in Business ist öde.....Da flieg ich seit langem lieber, zumindst auf Langstrecke, mit Swiss, Singapore Airlines, ANA...

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