Vermittlungsquote gering
Mehrheit der Schlecker-Frauen weiter ohne Job

Nur fast jede vierte Schlecker-Verkäuferin hat mittlerweile wieder einen Job gefunden. Die Bundesagentur für Arbeit wird deshalb wohl auf ihrer Millionenforderung an die Insolvenzverwaltung sitzen bleiben.
  • 4

Nürnberg/DüsseldorfWeniger als ein Viertel der ehemaligen Verkäuferinnen bei Schlecker haben bislang einen neuen Job gefunden. Von den 22.700 bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitslos gemeldeten ehemaligen Schlecker-Beschäftigten seien bis Mitte August 5170 entweder in ein neues Arbeitsverhältnis vermittelt worden oder hätten selbst etwas gefunden, sagte eine Sprecherin der BA auf Anfrage am Montag in Nürnberg.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kritisierte, die von Politikern und verschiedenen Experten prognostizierte „schnelle und erfolgreiche Vermittlung der Mehrheit der Schleckerfrauen“ zeichne sich bis heute nicht ab. Die geringe Vermittlungsquote sei der Hauptgrund, warum er nun beim Gericht eine sogenannte drohende Masseunzulänglichkeit habe anzeigen müssen: Er fürchtet, dass so hohe Kosten entstehen, dass sie aus der Insolvenzmasse nicht zu bezahlen sind.

Die BA zahlt Schlecker-Beschäftigten rückwirkend bis zu drei Monate lang das Insolvenzgeld - 60 oder 67 Prozent des Nettogehalts. Die Ausgaben dafür belaufen sich laut Sprecherin bislang auf rund 130 Millionen Euro. Dazu kommt nach Angaben der BA-Sprecherin aber noch eine Art „Ersatz-Arbeitslosengeld“: Das bekommen Beschäftigte, die in einer insolventen Firma auf dem Papier noch beschäftigt, aber noch nicht offiziell arbeitslos gemeldet sind. Diese Lohnersatzleistung strecke die BA vor, weil der Betrieb insolvent sei. Und dieses Geld könne die BA vom Insolvenzverwalter zurückfordern.

Geiwitz erklärte, es handle sich um eine Summe in „dreistelliger Millionenhöhe“. Sollte die BA sie zurückfordern, rechnet der Insolvenzverwalter damit, den Betrag nicht zahlen zu können, und meldete daher vorsorglich die „drohende Masseunzulänglichkeit“ an.

Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen schon über Jahre Verluste angehäuft hatte. Anfang Juni stimmten die Gläubiger für eine Zerschlagung der Drogeriekette. Etwa 25.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Nicht alle meldeten sich jedoch arbeitslos - zum Beispiel Beschäftigte, die weniger als ein Jahr bei Schlecker waren und daher gar keinen Anspruch auf das Arbeitslosengeld haben.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vermittlungsquote gering: Mehrheit der Schlecker-Frauen weiter ohne Job"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich glaube einige der Kommentar-Schreiber hier haben immer noch nicht gemerkt, dass auch sie im Glashaus sitzen. Da sollte man nicht mit Steinen werfen und schon gar nicht auf die Menschen, die am wenigsten Schuld am Geschehenen haben. Und solche Behauptungen wie: es hängen reichlich Stellenangebote in Schaufenstern, oder die Schleckerfrauen haben ihren Arbeitsplatz selbst zerstört, spotten jeder Beschreibung. Leider gibt es heutzutage immer weniger Menschen, die noch solidarisch sind und Mitgefühl haben. Schade.

  • Wie kann das sein? Jetzt noch ein bisschen arbeitslos und dann in den Ruhestand, oder was? In unserer Stadt gibt es in den Schaufenstern reichlich Stellenangebote für Verkäuferinnen.

  • Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:

    „Nicht persönlich werden

    Ihre Kommentare sollten sich auf den jeweiligen Artikel oder das diskutierte Thema und niemals auf den dahinter stehenden Autor beziehen. Persönliche Angriffe gegen andere Nutzer oder soziale Gruppen, Beleidigungen und Diskriminierungen zum Beispiel aufgrund von Religion, Nationalität, sexueller Orientierung, Alter oder Geschlecht sind ausdrücklich nicht gestattet. Gleiches gilt für Verleumdungen sowie geschäfts- und rufschädigende Äußerungen sowie für die Veröffentlichung persönlicher und personenbezogener Daten Dritter. Bitte überlegen Sie zudem gut, welche Ihrer eigenen Daten Sie frei zugänglich ins Internet stellen.“
    (http://www.handelsblatt.com/impressum/netiquette/)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%