Veröffentlichungspolitik: McKinsey schweigt ab jetzt

Veröffentlichungspolitik
McKinsey schweigt ab jetzt

Die US-Managementberatung hat überraschend angekündigt, auch für Deutschland demnächst keine Umsatzzahlen mehr zu veröffentlichen. Diese seien sowieso nicht besonders aussagekräftig. Experten vermuten, das die Branche im vergangenen Jahr um bis zu zehn Prozent gewachsen ist.

DÜSSELDORF. Die Unternehmensberatung McKinsey hat sich überraschend dazu entschlossen, keine Zahlen mehr zur Geschäftsentwicklung in Deutschland zu veröffentlichen. „Umsatz ist für niemanden eine sinnvolle Steuerungsgröße“, begründet dies Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey. Ein weiterer Grund sei der zunehmende Einsatz von Beratern aus den deutschen Büros an ausländischen Standorten, wodurch Angaben zum nationalen Umsatz nicht mehr aussagekräftig seien.

McKinsey entzieht sich damit dem Wachstumsvergleich mit den Konkurrenten, zu denen Boston Consulting Group (BCG), Roland Berger, Oliver Wyman und Booz Allen Hamilton (BAH) zählen. In der Beraterbranche wird das angekündigte Schweigen mit Staunen, aber auch mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis genommen.

Denn regionale Rankings wie etwa das des Marktbeobachters Lünendonk werden vielerorts skeptisch gesehen. „Da gibt jeder an, was er will“, heißt es in der Branche. Falls weitere Beratungsgesellschaften dem Beispiel von McKinsey folgen, könnten solche Rankings bald der Vergangenheit angehörten. Das ist aber noch nicht absehbar: BCG will Mitte Februar seine Geschäftszahlen veröffentlichen, BAH bilanziert zum 31. März.

Bislang führt McKinsey die Deutschland-Topliste an, die für 2006 folgendes Bild zeigt: Fast alle Konkurrenten des Unternehmens waren in dem Jahr mit zweistelligen Raten gewachsen, McKinsey nur um sieben Prozent – allerdings auf bei weitem höchsten Niveau. In der Beraterbranche wird gemunkelt, dass McKinsey diese Art des öffentlichen Prozentzahlen-Vergleichs ablehne und deswegen aus der Publizität aussteige.

Der Ausweis nationaler Umsätze ist für Beratungsunternehmen kompliziert: Bislang ist es praktisch niemandem gelungen, wirklich vergleichbare Zahlen für das regionale Geschäft zu ermitteln. Mal wird der Umsatz der Athener und Wiener Niederlassung mit verbucht, weil der Platz von Deutschland aus gesteuert wird. Mal leisten Berater aus Deutschland intensiv Hilfe auf Auslandsbaustellen der US-Mütter. So werden etwa die Golfstaaten durch europäische Berater bearbeitet. Hinzu kommt: Berater sind häufig nach Branchen-Knowhow organisiert. Dadurch kommt der Autoexperte aus Deutschland auch in Frankreich zum Einsatz.

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