Verpackungsentsorgung
Eine viel zu teure Tonne

Trotz des Konkurrenzwettbewerbs beim Grünen Punkt, der die Preise des Ex-Monopolisten Duales System Deutschland (DSD) zunehmend unter Druck setzt, zahlen Deutschlands Verbraucher für die Entsorgung ihrer Verkaufsverpackungen immer noch deutlich mehr als nötig. Der neue Wettbewerb reicht in Deutschland nicht aus.

WIEN. Im benachbarten Österreich wird ebenfalls nach den Vorgaben der EU-Kommission Verpackungsmüll gesammelt. Das Erstaunliche daran: Obwohl die Alpenrepublik – anders als Deutschland – an ihrer Monopolorganisation Altstoff Recycling Austria (ARA) festhält, liegen dort die Kosten deutlich unter denen in der Bundesrepublik. Denn während ARA ihren Geschäftspartnern aus der Konsumgüterindustrie 2007 einen Entsorgungspreis pro Tonne Verpackungsmüll von 132 Euro in Rechnung stellt, dürften die deutschen Lizenznehmer des Grünen Punkts auf mindestens 292 Euro kommen – Kosten, die sie über den Handel verdeckt an die Verbraucher weiter reichen.

Denen greifen Deutschlands Entsorger für die Beseitigung des Verpackungsmülls deutlich tiefer in die Tasche als Österreichs Monopolorganisation ARA. Inklusive der in Österreich nicht bepfandeten Einweggetränke-Verpackungen zahlt dort jeder Verbraucher im Schnitt 13,75 Euro. In Deutschland sind es dagegen sogar ohne Pfandflaschen und -dosen zwischen 14,60 Euro und 15,90 Euro. Für die legt jeder Bundesbürger noch einmal zwölf Euro pro Jahr im Durchschnitt oben drauf. Wäre es, wie in Österreich, bei der Sammlung von Dosen und Einwegflaschen mit der gelben Tonne geblieben, müsste jeder Bundesbürger heute rund 19 Euro pro Jahr für die Verpackungsentsorgung zahlen – fast 40 Prozent mehr als in Österreich.

Zahlen wie diese relativieren den Erfolg der Liberalisierung, mit der das Bundeskartellamt die deutsche Abfallbranche seit sechs Jahren umkrempelt. Privatisierung und Verkauf des einstigen Monopolisten DSD und die Zulassung von Wettbewerbern wie Landbell, Interseroh oder VfW haben die Entsorgungspreise seit Anfang 2005 zwar um 15 bis 22 Prozent nach unten gedrückt, im europäischen Vergleich zahlen die Deutschen aber immer noch deutlich mehr als ihre Nachbarn.

Denn nicht nur in Österreich, sondern auch in Großbritannien ist die Verwertung gebrauchter Jogurtbecher und Milchtüten weitaus günstiger als in Deutschland, wie eine Analyse der Technischen Universität Berlin ergab. Die Deutschen würden bei der Verpackungsentsorgung dreimal so hoch belastet wie französische Verbraucher, monierte vergangenen Dezember der Volkswirtschaftsprofessor Carl Christian von Weizsäcker.

Für den Kölner Entsorgungsberater Fritz Flanderka ist das Potenzial für Preissenkungen – trotz des neu zugelassenen Wettbewerbs – klar begrenzt. „Auch die Konkurrenten des DSD sind darauf angewiesen, die bisherige Sammel-Infrastruktur mitbenutzen zu können“, sagt er, „der Raum für Einsparmöglichkeiten ist deshalb gering.“

Faktisch nämlich fahren Wettbewerber wie Interseroh oder die Rethmann-Tochter Eko-Punkt auf dem DSD-Sammelsystem huckepack. Zwar vereinbaren sie mit ihren Industriekunden eigene Entsorgungsverträge und sichern ihnen dabei die gesetzlich geforderten Sammel- und Verwertungsquoten zu. Bei den Haushalten eingesammelt werden die vereinbarten Müllmengen aber weiterhin in den gelben Tonnen jener Müllabfuhrfirmen, die das DSD beauftragt hat. Selbst die Sortieranlagen benutzen das DSD und seine Wettbewerber oft gemeinsam. Erst danach werden die Abfälle – entsprechend der lizenzierten Mengen – unter den Wettbewerbern aufgeteilt. Meist ist es deshalb allein die Verwertung der sortierten Reste wie PET, Aluminium oder Papier, die am Ende den jeweiligen Konkurrenzvorteil bringt.

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