Versand
Otto gibt Quelle keine Chance

Die Otto-Gruppe eilt der Konkurrenz davon. Vor allem der Versandhandel über das Internet läuft super. Die Hälfte der Erlöse macht Otto im Netz. Doch die neuen Verkaufswege schaffen auch neue Herausforderungen. Jetzt kam es zu einer folgenschweren Panne.

HAMBURG. Das Internet vergrößert den Abstand zwischen den erfolgreichen deutschen Versandhändlern und jenen, die um ihr Überleben ringen. Zu diesem Schluss kommt Hans-Otto Schrader, Chef des weltgrößten Versandhändlers Otto-Gruppe aus Hamburg. Der Online-Handel erzeuge jeden Tag eine Vielzahl neuer Daten. "Wer die besser nutzt, verschafft sich gewaltige Vorteile", sagte Schrader dem Handelsblatt. Die Hamburger betreiben dazu eigens ein Joint Venture.

Gut die Hälfte der Erlöse erzielt der Otto-Versand inzwischen via Internet. Handelsexperten zufolge hat dagegen der angeschlagene Konkurrent Quelle zu spät den Internettrend im Versandhandel erkannt. Schrader schätzt: Eine Neupositionierung von Quelle erfordere einen Zeitraum von mindestens drei, eher fünf Jahren. Der Otto-Chef wertet deswegen für sein eigenes Geschäft reine Online-Anbieter inzwischen als größere Konkurrenz denn klassische Versandhändler: "Die Online-Intelligenz von Platzhirschen wie Amazon oder Ebay ist unser Maßstab."

Interesse an Einzelteilen aus Quelles Konkursmasse haben die Hamburger dennoch weiterhin. Neben den Spezialversendern kommt eine weitere Quelle-Tochter infrage. Schrader sagte: "Auch einen Einstieg in den Bereich Teleshopping schließe ich nicht aus." Der Trend gehe auch online zu Bewegtbildern, beobachtet der Otto-Chef.

Doch der Versandhandel über das Internet birgt auch neue Risiken. Das musste Otto nun schmerzhaft feststellen. Anstelle von 6 534 Laptoptaschen boten die Hamburger Ende Juli auf ihren Internetseiten und über automatisiertes Suchmaschinenmarketing 20 verschiedene Notebooks, unter anderem der begehrten US-Marke Apple, im Wert von jeweils bis zu 2 000 Euro an - allerdings zum Spottpreis von 29,99 bis 49,95 Euro. Der Patzer war nicht nur peinlich, sondern kostet den Versandhändler Otto mindestens 340 000 Euro und könnte noch erheblich teurer werden.

Schuld war eine Fehleingabe in der Disposition. Intern ging das Otto-System von einer Laptoptasche aus, für die Kunden sah alles nach einem echten Computer aus. Sobald der Irrtum den Managern bewusst wurde, informierten sie die Öffentlichkeit über die "Mac-Preis-Panne" und zeigten sich großzügig: Als "Trostpflaster" bekommt jeder Besteller einen Gutschein über 100 Euro, zusätzlich verlosen die Hamburger 50 "Mac Books Air".

Dennoch wollen einige der 2 565 Kunden klagen. Wie ein gerade gefälltes Urteil des Amtsgerichts Fürth zeigt, binden falsche Preisangaben den Verkäufer unter bestimmten Umständen. In diesem Fall ging es um Flachbildschirme des insolventen Otto-Konkurrenten Quelle, die irrtümlich viel zu günstig im Netz offeriert wurden. Die Kunden wurden gar nicht oder erst sehr spät auf den Fehler aufmerksam gemacht. Quelle muss ihnen nun die Flachbildschirme zum ausgewiesenen Preis von 200 statt 2 000 Euro liefern, entschieden das fränkische Gericht.

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