Versandhändler
Quelle beendet Ausverkauf im Internet

Der Start war ein Spektakel, das Ende eher leise uns traurig: Nach nur einem Monat beendet der insolvente Versandhändler Quelle seinen Ausverkauf von 18 Millionen Artikeln im Internet. Für Hunderte Mitarbeiter bedeutet das Abschied nehmen.
  • 0

HB FÜRTH/ESSEN. Bereits am 30. November werde der Verkauf auf der Plattform www.quelle.de eingestellt, teilte der Insolvenzverwalter am Donnerstag in Essen mit. Damit verlieren weitere 1300 Mitarbeiter in den nächsten Tagen ihren Job.

Ein Sprecher begründete das frühe Ende des Internet-Ausverkaufs mit den hohen Kosten, die die Aktion mit sich bringe. „Die Fixkosten für die Infrastruktur sind so hoch, dass wir uns entschlossen haben, quelle.de einzustellen“, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz. Insgesamt hätten seit dem 1. November mehr als eine Million Kunden Waren bestellt.

Für die weitere Abwicklung des Unternehmens benötigt die Insolvenzverwaltung statt bislang 4300 nur noch rund 3000 Mitarbeiter. In den kommenden Tagen würden deshalb bundesweit 1300 Freistellungen und mehrere hundert Kündigungen ausgesprochen, sagte Schulz. Unter den Betroffenen seien viele Beschäftigte der Bereiche Vertrieb und Marketing, aber auch der Call-Center. „Diese haben zu 98 Prozent nur quelle.de gemacht“, erklärte Schulz.

In den 63 Quelle-Technik-Centern soll der Ausverkauf noch bis Mitte Dezember weitergehen - denn längst haben noch nicht alle 18 Mio. Artikel den Besitzer gewechselt. In den Technik-Centern seien kurzfristig mehrere zehntausend Elektrogeräte erhältlich, nachdem sich die Insolvenzverwaltung mit den Herstellern geeinigt habe, hieß es. Zeitweise hatten sich einige Hersteller geweigert, Waren auszuliefern, weil sie befürchteten, letztlich als Gläubiger zu enden. Auch auf www.quelle.de stünden knapp 10 000 Elektroartikel zur Verfügung, sagte Schulz.

Wie lange die Quelle-Technik-Center genau geöffnet bleiben, stehe aber noch nicht fest, sagte Schulz. „Das hängt davon ab, wie der Ausverkauf läuft.“ Nach derzeitigen Plänen sollen sich die Geschäfte noch bis Mitte Dezember an „Deutschlands größtem Ausverkauf“ beteiligen.

Hoffnung auf einen Erhalt ihrer Arbeitsplätze können sich laut Insolvenzverwaltung weiterhin die 950 Mitarbeiter der insolventen Primondo-Tochter Profectis machen. „Die Gespräche über einen Verkauf des technischen Kundendienstes verlaufen vielversprechend“, hieß es laut einer Mitteilung. Wenn möglich, solle es noch in diesem Jahr eine Entscheidung geben, sagte Schulz.

Der Betriebsrat des Quelle-Versandzentrums in Leipzig befürchtet dagegen das Aus für den Standort innerhalb der nächsten zwei Wochen. „Ende nächster Woche könnte es hier unter Umständen zu Ende sein“, sagte Steffen Schmidt, Betriebsratsratsvorsitzender des Leipziger Versandzentrums, der „Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstagausgabe).

Der Ausverkauf des insolventen Traditionshauses war am 1. November im Internet gestartet. Hunderttausende Schnäppchenjäger hatten in den ersten Tagen die Homepage des Versandhändlers gestürmt und sie damit immer wieder zum Absturz gebracht.

Kommentare zu " Versandhändler: Quelle beendet Ausverkauf im Internet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%