Versandhändler will Post ab 2007 Konkurrenz machen
Otto Group eröffnet Geschäfte für Kinderprodukte

Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto steigt in den stationären Einzelhandel für Spielwaren und andere Kinderprodukte ein. Zudem kündigte Otto an, der Deutschen Post nach dem Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 bundesweit auch im Briefgeschäft mit Privatkunden Konkurrenz zu machen.

dpa HAMBURG. Otto habe zunächst in Kassel und Worms zwei Geschäfte unter der Marke My-Toys eröffnet, die bereits im Internet sehr erfolgreich sei, sagte Konzernchef Michael Otto am Dienstagabend vor dem „Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten“. Obwohl die Zahl der Kinder zurückgehe, rechne er sich gute Marktchancen in diesem Segment aus. „Zum einen gibt es kaum noch Spielzeugläden, zum anderen verfolgen wir innovative Konzepte“, sagte Otto. Um die starken Saisonschwankungen bei Spielzeug auszugleichen, werden bei My-Toys auch Kindermode, Bücher, Bastelsachen und Schulbedarf angeboten.

Die Otto Group, der weltweit größte Versandhändler, will in einigen Jahren jeweils 20 bis 25 Prozent seines Umsatzes im Online-Handel und im stationären Handel erreichen. „Wir wollen bis 2020 die weltweit renditestärkste global agierende Gruppe von Einzelhändlern und handelsnahen Dienstleistern sein“, sage Otto. Innovation, Kompetenz und Schnelligkeit seien dabei die wesentlichen Schlüssel zur Kundenorientierung. So habe Otto die Frequenz seiner Kataloge deutlich erhöht, um aktueller auf Modetrends reagieren zu können.

Der Versandhandel, immer noch das Kerngeschäft von Otto, habe von dem schnellen Wachstum des Online-Handels profitieren können, der jüngere Kundenschichten erschließen helfe. Machte der Versandhandel in früheren Jahren fünf Prozent des gesamten Einzelhandels-Umsatzes aus, so seien es heute sieben Prozent. Otto ist nach Amazon der zweitgrößte Online-Händler weltweit.

Zudem kündigte Otto an, der Deutschen Post nach dem Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 bundesweit auch im Briefgeschäft mit Privatkunden Konkurrenz zu machen. Zunächst wolle Otto mit seinen Partnern nur für Firmenkunden die Zustellung übernehmen, sagte Konzernchef Michael Otto in Hamburg. Dann wolle das Unternehmen auch in das Geschäft mit Privatkunden einsteigen. Mittel- und längerfristig solle dann auch der europäische Markt ins Visier genommen werden.

Otto betreibt bereits zusammen mit dem niederländischen Postkonzern TNT ein Postunternehmen in Deutschland und ist im Paketbereich mit der Tochter Hermes aktiv. „Wir sind dabei, mit der TNT in einer gemeinsamen Gesellschaft hier ein Netz aufzubauen, um die Briefzustellung auch flächendeckend vornehmen zu können“, sagte Otto. „Wir werden Ende dieses Jahres rund 90 Prozent der Bundesrepublik abdecken in der Zustellung und Ende 2007, wenn das Monopol fällt, dann 100 Prozent, das heißt, wir können dann natürlich sofort auch flächendeckend starten“, kündigte er an. Anfangs sollen bei den 11 000 Hermes-Paketshops in Deutschland blaue Briefkästen aufgestellt werden. Diese würden dann nach und nach bundesweit ausgeweitet, sagte Otto.

Für den deutschen Einzelhandel ist Otto in diesem Jahr optimistisch. Erstmals seit Jahren werde es wieder ein Wachstum geben, das allerdings teilweise auf vorgezogenen Konsum wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuer-Erhöhung zurückzuführen sei. „Für das nächste Jahr bin ich weniger zuversichtlich, denn die Umsatzausfälle nach der Steuererhöhung werden noch höher sein als die vorgezogenen Käufe“, sagte der Konzernchef, der innerhalb der nächsten zwei Jahre seine Position an einen Nachfolger aus dem Konzern weitergeben will. Die Otto Group selbst habe im ersten Halbjahr (31. August) ein Umsatzplus von vier Prozent erreicht, was auch für das Gesamtjahr angestrebt werde.

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