Versandhandel
Dicke Kataloge lasten schwer auf Universalversendern

Zu Wirtschaftswunderzeiten fanden die Deutschen in der Glitzerwelt der Versandkataloge fast alles - von der Waschmaschine bis zum T-Shirt. Heute sind die dicken Wälzer eher ein Klotz am Bein der Verkäufer: Spezialanbieter und Internetkonkurrenten stechen die klassischen Versandhändler aus.

DÜSSELDORF. In den 50er- und 60er-Jahren waren sie die Bibeln des Kapitalismus: die dicken Versandkataloge von Quelle, Otto und Neckermann. Kaum ein Haushalt in Westdeutschland, der auf dem Couchtisch nicht einen der Wälzer liegen hatte. Und selbst jenseits des Eisernen Vorhangs blieben sie als Bilderbücher einer Glitzerwelt heiß begehrt.

Und genauso wie der Eiserne Vorhang bröckelte auch die Bedeutung der Universalversender. Wer heute von der Matratze über die Waschmaschine bis zum T-Shirt alles in einem Katalog anbietet, den quälen meist Renditeprobleme. Nicht nur Quelle verbuchte im vergangenen Jahr einen Verlust von 46 Mio. Euro. Auch die ehemalige Schwester Neckermann, an der sich 2007 der US-Finanzinvestor Sun Capital zu 51 Prozent beteiligte, verabschiedete sich damals aus der Arcandor-Bilanz mit einem Verlust von 28 Mio. Euro.

Selbst der Hamburger Versandhändler Otto, der sich bislang noch vergleichsweise tapfer schlug, konnte zuletzt nur durch Verkäufe von Unternehmensteilen unterm Strich einen Gewinn ausweisen.

Anders als vor 50 Jahren kommt die Bedrohung längst von allen Seiten. Filialisten wie Hennes & Mauritz oder Globetrotter, die mit Spezialkatalogen Versandkunden abwerben, fordern die Universalversendern heraus und bewegen sich oft näher an den Bedürfnissen der Kunden. Externe Dienstleister für Logistik, Inkasso oder Telefonberatung machen es den Ladenketten immer leichter, selbst ins Versandgeschäft einzusteigen. Anbieter wie Esprit punkten dabei mit ihren – im Vergleich zum traditionellen Versandhandel – weitaus profilierteren Marken.

Ebenso gefährlich für Quelle, Neckermann & Co. erweisen sich reine Internet-Händler. Allen voran Amazon. Weil der US-Konzern zunehmend Fremdanbieter auf seine Internetplattform lässt, halten die klassischen Kataloganbieter beim Sortiment im Wettlauf gegen den Konkurrenten kaum noch mit. Anfang des Jahres etwa waren auf der deutschen Amazon-Seite 8 000 unterschiedliche Frühjahr- und Sommerschuhen erhältlich – 1 250 Schuhmodelle mehr als bei Otto.de.

Außerdem gehen die Internetversender weitaus flexibler auf die Wünsche der Verbraucher ein als die klassischen Katalogunternehmen. Sie nämlich sind durch ihre teuren Druckwerke stets ein halbes Jahr an ihre Auswahl gebunden – und vor allem an den dort aufgeführten Preis. Lange Zeit schützte das in Deutschland einmalige Rabattgesetz die Katalogfirmen vor allzu großen Preisattacken aus dem Internet. Das aber strich die Bundesregierung im Juli 2001 ersatzlos.

Dabei ist der Versandhandel, sofern er sich nicht auf den dicken Katalog verlässt, in Deutschland derzeit ein Renner. 3,7 Prozent habe der sogenannte Fernabsatz 2008 zugelegt, rechnet der Bundesverband des Versandhandels (BVH) vor. Damit bauten die Versender ihren Marktanteil – wie schon in den drei Jahren zuvor – um weitere 0,2 Prozentpunkte aus.

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