Versandhandel
Schnäppchenjäger schalten um aufs Internet

Während Quelle zu Grabe getragen wird, zeigen Newcomer wie Brands4Friends, wie man im Versand Geld verdient. Mit kiloschweren Katalogen und monatelangen Artikelvorräten, die üppige Warenverteilcenter füllen, haben die expandierenden Unternehmen nichts am Hut. Ihr Geschäft ist schnell - und schmutzig, wie nicht wenige Einzelhändler meinen.
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BERLIN. Klick, klick, jetzt die beige Sportjacke zugeknöpft, und weiter, klick. Wo die Kamera eben noch Dessousaufnahmen für die nächste Verkaufsaktion einfing, hält längst ein männliches Modell mit Dreitagebart eine Kollektion der Marke Oakley in die Kamera. Produziert wird hier in Berlins Johannisstraße, nur wenige Meter entfernt vom Regierungsviertel, wie am Fließband. In den Räumen gleich nebenan, wo vorm Krieg Berliner Arbeiter Zigarren drehten, sitzen junge Texter dicht gedrängt an ihren Computern, einzelne Schuhe, T-Shirts oder modische Rucksäcke direkt neben der Tastatur. Von ihren Warenbeschreibungen, die ein Team von Grafikern schon wenige Stunden später zusammen mit den Fotos und aufgepeppten Videos ins Internet stellen wird, hängt ab, ob der geplante Räumungsverkauf zum Erfolg wird.

Im zurückliegenden Jahr war dies erstaunlich häufig der Fall. So häufig, dass sich der Umsatz des Internetversenders Brands4Friends auf 85 Mio. Euro mehr als verdreifachte. 2010, hofft Firmenchef Christian Heitmeyer, könnten sogar 250 Mio. Euro durch die Bücher laufen.

In Deutschland, wo einst mächtige Kataloghändler wie Otto oder Neckermann nur mit Mühe das schleppende Geschäft aufrechterhalten, der insolvente Wettbewerber Quelle nicht einmal im Räumungsverkauf genügend Geld zusammenkratzt, um seine Lieferanten zu bezahlen, feiert der Versandhandel sensationelle Höhenflüge. Nur eben anderswo. Vente privée, BuyVIP, Limango oder eben Brands4Friends heißen die neuen Stars der Versandszene.

„Im laufenden Quartal schaffen wir den Break-even", sagt dessen Geschäftsführer Heitmeyer. Und schon im nächsten Jahr werde es keinen Monat mehr geben, in dem das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) rot ausfalle. Im Gegenteil: Sobald das Geschäft voll ausgebaut ist, erwartet das Unternehmen eine Ebit-Marge von 20 Prozent. Üblich sind im Modehandel drei bis vier.

Musste Wettbewerber Quelle vor wenigen Wochen bei der Bundesregierung die Druckkosten für den Winterkatalog erbetteln, braucht Heitmeyer von seinen Mitgesellschaftern – den Venture-Kapitalgesellschaften Holtzbrinck, Mangrove und Partech – nicht einmal mehr eine Anschlussfinanzierung. Die Expansion bezahlt er vollständig aus dem Cash-flow. Dabei hat der heute 43-Jährige, der rund 20 Prozent der Geschäftsanteile hält, die Firma erst Mitte 2007 gegründet.

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  • Wie lange das sich die Händler gefallen lassen ist nur eine Frage der Zeit. Wir von www.fabfive24.com sehen das Ganze mit gemischten Gefühlen. Wir sind gleichzeitig Einzelhändler im klassischen Sinne als auch Onlinehändler. Das Problem bei den ganzen so genannten Privat Sale Clubs ist, das sie die Ware meistens erst anpreisen und dann beim Hersteller oder der Vertrieb bestellen. Also null Risiko! Da hat man logischerweise höhere Margen.
    Wenn man wie wir, 6 - 8 Monate Ware vorher bestellt und dann sehen kann wie man die Ware los wird! Das kann auch kein Zustand auf Dauer sein. Denn nur solange es die Überproduktionen gibt werden diese Geschäftsmodelle auch Ware haben! Das man sich auch längerfristig den Markt kaputtmacht ist auch mehr als logisch. Teilweise ist es aber auch Ware die gerade mal 3 Monate alt ist! Und da muss ich mir schon an den Kopf greifen und fragen warum ich die Firma XYZ überhaupt unterstützen sollte, bzw. Ware 6 Monate vor zu odern und das Risiko zu tragen! Das ist nur ein Frage der Zeit bis es da Probleme gibt! Der Markt wird nicht größer, gerade in der heutigen Zeit wo um jeden Kunden gekämpft wird. Der Kunde der bei Privat Sale ein paar Sneaker bestellt wir sich kein zweites im Laden holen!

  • Das Modell passt exakt zur Net Generation, die einfach keine Lust haben auf eine tupper oder quelle party zu gehen :-)
    Weiterhin viel Erfolg!

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