Versandhandel
Tausende Quelle-Jobs stehen auf dem Spiel

Für die Belegschaft von Quelle werden die schlimmsten Befürchtungen wahr. Die Rettung des Versandhauses ist gescheitert. Und nicht nur Quelle wackelt, auch vielen Post-Mitarbeitern drohen Konsequenzen. Der Quelle-Betriebsrat spricht von einer Riesen-Katastrophe, weil Tausenden Beschäftigten die Arbeitslosigkeit droht.

HB FÜRTH/ESSEN/HANNOVER/MÜNCHEN. Andreas Täuber kämpft mit den Tränen. Seit 20 Jahren arbeitet er für den Versandhändler Quelle, nach dessen endgültigem Aus steht der 40-Jährige jetzt vor dem gefühlten Nichts. Schon seine Ausbildung hat er bei dem Fürther Unternehmen gemacht, dann nebenher studiert und sich bis zur Mitarbeiterführung hochgearbeitet. Seine Mundwinkel zucken vor Wut und Enttäuschung. "Es ist schlimm, dass so ein Unternehmen pleitegeht", sagt Täuber fassungslos auf dem Quelle-Gelände in Nürnberg. "Dabei sind uns die Kunden doch treugeblieben."

Nach 82 Jahren steht das traditionsreiche Versandhaus Quelle vor dem Aus. Sämtliche Rettungsbemühungen für das insolvente Fürther Unternehmen mit rund 10 500 Beschäftigten sind gescheitert. Es gebe keine Alternative zur Abwicklung, erklärte Klaus Hubert Görg, Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arcandor. Davon sei der Gläubigerausschuss in Kenntnis gesetzt worden. Die Quelle-Belegschaft soll am heutigen Dienstag in Nürnberg über die weiteren Schritte informiert werden. Zuletzt waren bei Quelle bundesweit noch 10 500 Menschen beschäftigt. Wann das Kapitel Quelle geschlossen werden soll, steht indes noch nicht fest. "Wir rechnen noch", sagte ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage.

Durch die Abwicklung des Traditionsunternehmens Quelle werden nach Gewerkschaftsangaben "alle Mitarbeiter arbeitslos". Ver.di-Vorstandsmitglied Johann Rösch sagte im ZDF-Morgenmagazin: "Es ist eine bittere Stunde für die Beschäftigten und es ist ein Schlag für die Region, in der ohnehin eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht." Betroffen sei aber nicht nur die Zentrale in Fürth. Auch das Schicksal des Logistik-Centers in Leipzig oder der Callcenter mit Tausenden Beschäftigten sei offen. Die Enttäuschung der Mitarbeiter sei besonders groß, da der Insolvenzverwalter noch in den vergangenen Woche von vier möglichen Investoren gesprochen habe.

"Wenn man alle zusammennimmt, sind das mehr als 6 000 Mitarbeiter, um die es jetzt noch geht", sagte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch in Nürnberg. "Was noch offen ist, ist die Frage: Wie viel Liquidität hat der Insolvenzverwalter noch und wie viele Menschen kann er während der Abwicklung noch beschäftigen." Alle übrigen Mitarbeiter würden mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Abwicklung dauere maximal zwei bis drei Monate.

Nach dem Aus des Versandhändlers Quelle drohen auch bei der Deutschen Post Stellenstreichungen. Es sei noch zu früh für eine endgültige Entscheidung, sagte Post-Sprecher Claus Korfmacher am Dienstag. Es werde derzeit beraten, welche Konsequenzen zu ziehen seien.

Die Post hatte sich bereits im Juli mit der Gewerkschaft Verdi auf die Verkürzung der Kündigungsfristen für Tarifverträge von rund 3000 Beschäftigten verständigt, die die Logistik für die Arcandor-Töchter Karstadt und Quelle abwickeln. Der überwiegende Teil dieser Mitarbeiter arbeite für die Karstadt-Warenhäuser, so Korfmacher. Zum Umsatzvolumen, das die Post jährlich aus Aufträgen der Arcandor-Versandhandelssparte Primondo mit Quelle und Karstadt erzielt, macht der Konzern keine Angaben. Die Post-Tochter DHL hatte 2005 die Warenhauslogistik für den Essener Konzern sowie das Versenden von Gütern wie Kühlschränken für eine Laufzeit von zehn Jahren übernommen. Damals waren die Post und Arcandor von einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Euro ausgegangen.

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