Versandhandelskataloge
Die Bibel des deutschen Wirtschaftswunders

Sie galten als die "Bibeln des deutschen Wirtschaftswunders": Millionen Nachkriegsdeutsche fieberten dem Erscheinungstermin der Frühjahrs- oder Herbstkataloge von Neckermann, Otto, Quelle und Schwab entgegen. Ein Fieber wie heute bei neuen Büchern des Zauberlehrlings Harry Potter.

DÜSSELDORF. Was so glorreich anfing, ist längst Geschichte. Heute kämpft der Versandhandel um seine Zukunft. Damit geht es einer Branche mit großer Tradition in Deutschland an den Kragen.

Die Geschichte des deutschen Versandhandels ist schon älter als das Wirtschaftswunder. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg gab es rund 2 700 Versandhäuser. Die waren aber noch recht spezialisiert auf Textilien (Bader), Uhren und Schmuck (Klingel) oder Kaffee (Eduscho).

Auch als Gustav Schickedanz aus dem fränkischen Fürth im Jahr 1927 seinen Versandhandel namens Quelle startete, bot der zunächst nur Wäsche, Strickmoden und Körperpflegemittel. Das Unternehmen trug den Namen "Quelle", weil die Kunden nicht mehr im Geschäft, sondern "an der Quelle" kaufen sollten.

Schickedanz' Zielgruppe war das aufstrebende Kleinbürgertum: Das wollte sich zwar die Produkte der städtischen Oberschicht wie Waschmaschinen und Kühlschränke leisten, musste aber immer noch mit jedem Pfennig rechnen. Der erste Quelle-Katalog 1928 trug den Titel "Führer durch die Sorgen des täglichen Lebens". Zehn Jahre später bereits hatte das Versandhaus Quelle rund eine Millionen Kunden und einen Umsatz von 40 Mio. Reichsmark.

Das "Haus der billigen Preise und guten Qualitäten" florierte, bis die Kriegswirtschaft nur noch den Mangel organisierte. Nach dem Ende des Krieges verurteilten die Alliierten Schickedanz als NSDAP-Mitglied zu Zwangsarbeit. Bis der Großunternehmer 1949 aus der Haft entlassen wurde, führte seine zweite Frau Grete, ein ehemaliges Quelle-Lehrmädchen, die Geschäfte. Grete Schickedanz sollte zur zweiten dominierenden Unternehmerpersönlickeit des Fürther Versandhauses werden. Im Gegensatz zum introvertierten Gustav, der 1977 im Alter von 82 Jahren an seinem Schreibtisch in Fürth tot zusammenbrach, gab seine extrovertierte Frau dem Unternehmen ein unverwechselbares Gesicht.

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