Versandunternehmen
Verdi bremst Neckermann-Sanierung aus

Neckermann rutscht immer tiefer in die Krise. Investor Sun Capital versucht mit radikalen Einschnitten, das Unternehmen zu retten. So sollen mehr als die Hälfte aller Jobs wegfallen. Doch dagegen wehrt sich Verdi.
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Düsseldorf„Kenne die Zahlen“, lautet ein Arbeitsgrundsatz von Sun Capital. Und: „Liquidität, Liquidität, Liquidität.“ Das ist es, was der US-Finanzinvestor von Management und Belegschaft seiner Zukäufe erwartet. Doch um die Liquidität von Neckermann ist es nicht gut bestellt. Dem Versandhändler geht es schlechter denn je.

Das Unternehmen, das seit 2006 den Zusatz „.de“ im Namen führt, droht an dem Wandel vom klassischen Katalogversender zum Onlinehändler zu scheitern. Dabei war Neckermann mit seinen telefonbuchdicken Katalogen einst ein deutsches Vorzeigeunternehmen.

Doch die Kunden kaufen nicht erst seit gestern lieber im Internet, bevorzugt bei Amazon oder Otto. Neckermann hat es zu lange versäumt, das Geschäft konsequent auf das Netz zu trimmen. Wie gefährlich das sein kann, hat die Quelle-Insolvenz gezeigt.

Das gleiche Schicksal droht nun auch Neckermann. Hintergrund sind nicht nur die Marktentwicklungen und hausgemachte Probleme, sondern vor allem ein erbitterter Streit zwischen dem Eigentümer Sun Capital und der Gewerkschaft Verdi.

Der Finanzinvestor will Neckermann sanieren und dafür 1380 von 2400 Arbeitsplätzen in Deutschland abbauen - allerdings ohne Abfindungen zu zahlen. Dagegen wehrt sich Verdi. „Die Menschen, die zum Teil schon seit Jahrzehnten für Neckermann arbeiten, sehen es nicht ein, dass sie einfach so gehen sollen“, sagte Wolfgang Thurner, Verdi-Gewerkschafter und Mitglied im Aufsichtsrat von Neckermann.

Die größten Versandhändler in Deutschland

E-Commerce Umsatz 2010,

in Mio. Euro


Die Situation ist ernst. Die betriebliche Einigungsstelle, eine Art paritätisch besetztes Schiedsgericht, sollte es richten. Doch die Gespräche in dieser Woche sind gescheitert, teilte Neckermann gestern Abend mit. „Wenn sich beide Seiten nicht einigen, rückt die Gefahr einer Insolvenz immer näher“, heißt es in Kreisen der Verhandlungsführer.

Wie groß dieses Risiko tatsächlich ist, lässt sich schwer abschätzen. Im vergangenen Jahr, so ist im Umfeld von Neckermann zu hören, beliefen sich die Verluste auf 30 Millionen Euro. Sun Capital hat laut eigenen Angaben bislang mehr als 200 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt - und würde weitere 25 Millionen Euro investieren. Nicht mehr und nicht weniger.

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Verdi bremst Neckermann-Sanierung aus

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Gespräche mit Verdi liegen auf Eis

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  • Hallo kommissar!
    Ich weiß ja nicht was Du beruflich machst,aber was glaubst Du wohl wo die Arbeitnehmer ohne Gewerkschaften stehen würden?? Das ist Kapitalismus in seiner widerlichsten Art. Investoren kommen und sind das Allheilmittel, das Managment steckt sich hemmungslos die Taschen voll und wenn es nicht mehr geht, dann stehen wir auf der Strasse aber die Manager können von ihren "verdienten" Millionen bequem bis an ihr Lebensende leben!!! Zum Thema Schlecker, es war doch vor Jahren mal so, das Anton Schlecker vor Gericht stand und verurteilt wurde weil er seine Mitarbeiter so miserabel bezahlt hat, davon hat jetzt keiner mehr gesprochen.Da hat jetzt der ach so arme Herr Schlecker seine Eirma verloren....trän.Ich möchte nicht wissen wo er noch ein paar Millionen gehäuft hat. Aber in ein paar Monaten kümmert es keinen Menschen mehr was da passiert ist und die meisten Mitarbeiter stehen immer noch Schlange am Arbeitsamt. Aber Hauptsache die Investoren bekommen genug Rendite und die anderen bleiben auf der Strecke!!! Entschuldige, aber ich finde das zum K.....! Gruß Klaus aus Herzogenrath

  • Sun Capital sitzt auf einem Milliardenvermögen, es gibt einen gültigen Sozialplan, der Abfindungen vorsieht. Sich jetzt derart erpresserisch aus der Verantwortung zu stehlen ist Kapitalismus in seiner schlimmsten Form. Sun Capital zahlt gleichzeitig seinem schlechten Management Millionenboni aus, aber die Gekündigten sollen freiwillig auf lächerliche 1000 Euro pro Beschäftigungsjahr verzichten?

  • Wofür steht Neckermann? Wer keine Kunden mehr hat kann auch nicht gewinnen. Der Zug ist abgefahren und der Weg in die Pleite nur noch eine Frage der Zeit, denn ein klares Konzept wie hier Geld verdient werden soll gibt es nicht und ein zweiter amazon werden ist auch nicht möglich, denn den gibt es ja schon.
    Mit den heutigen Nachrichten sinkt dann auch noch die Nachfrage auf der Neckermann Website ...
    Die Gewerkschaft wird jetzt alles herausholen denn am Ende ist nichts mehr übrig.

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