Verschmelzung der Teilbereiche
Tui-Chef will Reeder werden

Die Tui verabschiedet sich von ihrem Dasein als reiner Touristikkonzern. Konzernchef Michael Frenzel möchte, durch die Eingliederung der Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd, zukünftig auch auf die Containerschiffahrt setzen. Unter den Mitarbeitern stößt diese Maßnahme allerdings auf wenig Gegenliebe.

DÜSSELDORF. Der Reise- und Schifffahrtskonzern Tui steht erneut vor einem strategischen Umbau. Konzernchef Michael Frenzel will sich auf die Container-Schifffahrt der hundertprozentigen Tochter Hapag -Lloyd konzentrieren. Dies geschieht nicht einmal ein Jahr nach der Ausgliederung der Touristik-Aktivitäten in die seit September an der Londoner Börse notierte Tui Travel. Die Schifffahrt soll dem Konzern auf Dauer zuverlässig bessere Renditen bringen als das krisenanfällige Reisegeschäft.

Die bislang als eigenständige AG operierende Hapag -Lloyd, die viertgrößte Containerschiffs-Reederei der Welt, soll in der Tui aufgehen. Die Gesellschaft soll dafür ihren Sitz von Hannover nach Hamburg verlagern. Frenzel will die Reederei schnell stärken, geplant seien in den nächsten fünf Jahren Investitionen von 2,6 Mrd. Euro in neue Schiffe. Der Tui-Aufsichtsrat soll die neue Ausrichtung in seiner Sitzung am 23. Januar absegnen.

Auf Mitarbeiterseite stößt der Tui-Kurs auf Ablehnung. "Die Verlagerung ist teuer, macht keinen Sinn, und außerdem gibt es in Hamburg auch gar keinen Platz für die Kollegen aus Hannover", sagt der Betriebsratsvorsitzende Roland Schneider. Frenzels strategischer Schlingerkurs sei der Belegschaft nicht mehr zu erklären. Schneider: "Die Leute sind schwer enttäuscht." Auch für Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt hat die Tui-Wende Konsequenzen. Er wird seine Funktion als Vorstandsvorsitzender verlieren, soll aber Vorstandsmitglied der Tui bleiben.

Ende der 90er-Jahre hatte Frenzel aus der Preussag AG unter dem Namen Tui einen reinen Touristikkonzern bauen wollen: Doch die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 machten seine Pläne zunichte. 2004 sagte Frenzel den Börsengang von Hapag-Lloyd ab und propagierte fortan die "Zwei-Säulen-Strategie" - Schifffahrt und Touristik.

Trotz der hohen Verschuldung, die etwa bei drei Mrd. Euro liegt, hat der Konzern erheblich in Hapag-Lloyd investiert. Er kaufte die britisch-kanadische Reederei CP-Ships für 1,7 Mrd. Euro und bestellte für zwei Mrd. Euro neue Containerschiffe. Doch 2005 und 2006 gingen die Frachtraten in den Keller, die Schiffsparte zog die durch Firmenwertabschreibungen schon stark belastete Konzernbilanz noch weiter nach unten.

Seite 1:

Tui-Chef will Reeder werden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%