Verseuchte Babynahrung in Frankreich Schwere Vorwürfe gegen Milch-Multi Lactalis

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire wirft dem Milchkonzern Lactalis Versagen vor. Das Unternehmen hatte zu spät auf Salmonellen in Babynahrung reagiert. Auch das Ausland könnte betroffen sein.
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Hier wurde die mit Salmonellen verseuchte Babymilch produziert. Quelle: AFP
Lactalis-Fabrik in Craon

Hier wurde die mit Salmonellen verseuchte Babymilch produziert.

(Foto: AFP)

ParisMit einer Stellungnahme des französischen Wirtschafts- und Finanzministers Bruno Le Maire hat der Skandal um mit Salmonellen verseuchte Babynahrung eine neue Dimension angenommen. Le Maire warf dem Hersteller Lactalis, der in ganz Europa aktiv ist, „inakzeptables Verhalten“ vor. 

Die Gesundheit von Neugeborenen sei gefährdet worden. In einem Werk im französischen Craon, in dem Milchpulver für Babys hergestellt wird, waren bereits im August 2017 Salmonellen-Erreger festgestellt worden. Der Minister warf Lactalis vor, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben: Eine staatliche Anordnung sei nötig gewesen, um die Babynahrung aus dem infizierten Werk vom Markt zu nehmen.

Am 9. Dezember ordneten die Behörden den Rückruf an. Insgesamt seien 11.000 Tonnen Babynahrung betroffen – alles, was seit dem 15. Februar 2017 in Craon hergestellt wurde. 7000 Tonnen wurden in Frankreich unter den Marken Milumel, Picot und Taramis verkauft. Weitere 4000 seien in den Export gegangen. Welche Länder beliefert wurden, lässt sich nicht sagen: Lactalis reagierte am Donnerstag nicht auf Anfragen.

Lactalis ist mit einem Umsatz von 17 Milliarden Euro einer der größten europäischen Hersteller von Milchprodukten. Marken wie der Camembert „Président“ sind weltweit bekannt. „In Deutschland verkaufen wir keine Babynahrung“, sagte Helene Schmitt von Lactalis Deutschland dem Handelsblatt. Man vertreibe lediglich Käse, Sahne, Butter und Joghurt, aber nichts aus dem Werk in Craon.

Von Pferdelasagne und Ehec-Sprossen
2017: Läusegift auf Eiern
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Der Skandal um möglicherweise mit dem Insketizid Fipronil belastete Eier beschäftigt Deutschland in diesem Sommer. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Fipronil war über das Anti-Läusemittel Dega-16 in die Eier gelangt. Das Mittel beruht eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist. Aldi nahm unterdessen sämtliche Eier aus dem Verkauf.

2016: Plastik im Schokomantel
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Abermillionen Schokoriegel mussten in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Mars-Riegel auf ein Stück Plastik gebissen hatte, begann der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion. Sie galt für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen waren Riegel der Marken Mars und Snickers; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum.

2016: Glyphosat und Malz, Gott erhalt's
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Pro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht.

2014: Dänischer Wurstskandal erreicht Deutschland
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In Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben.

2014: Käse mit Coli
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Das Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen.

2014: Von wegen Edel-Hähnchen
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2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen.

2013: Pferd in der Lasagne
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Zusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Dort war der Erreger in mindestens einem Trockenturm für Milchpulver ausgebrochen. 37 Babys hatten sich in Frankreich wegen der verseuchten Lactalis-Produkte mit Salmonellen infiziert, 18 Babys mussten ins Krankenhaus.

Nachdem Lactalis beim Rückruf der gefährlichen Partien viel zu zögerlich vorgegangen sei, habe man weitere Untersuchungen angeordnet, sagte Le Maire. Dabei kam heraus, dass in Supermärkten, Apotheken, sogar in Kinderkrippen und Krankenhäusern noch Büchsen mit Babynahrung im Regal stehen, die schon längst hätten vom Markt genommen werden müssen.

Das Ministerium habe Anzeige wegen Gesundheitsgefährdung und schweren Betrugs erstattet, präzisierte Le Maire. In den nächsten Tagen würden 2500 weitere Durchsuchungen im Handel stattfinden.

Ungeklärt ist zudem, weshalb bestimmte Chargen der verseuchten Lebensmittel noch immer vom Handel vertrieben werden. Supermärkte und Lactalis machen sich gegenseitig Vorwürfe: Handelsketten wie Intermarché werfen dem Milch-Multi „völligen Dilettantismus“ bei der Rückruf-Aktion vor. Dagegen räumte Michel-Edouard Leclerc, Chef der gleichnamigen Supermarkt-Kette ein, es habe in seinem Unternehmen „menschliches Versagen“ gegeben. Man habe 984 Büchsen mit Milchpulver verkauft, die eigentlich auf dem Index standen.

Leclerc entschuldigte sich und sprach von Überlastung durch das Weihnachtsgeschäft. Sollte sich herausstellen, dass einzelne Ketten die gefährliche Ware bewusst im Regal gelassen haben, könnte das schwerwiegende Folgen haben: Darauf stehen bis zu sieben Jahre Haft.

Mit der Geschäftsleitung von Lactalis will der Wirtschaftsminister sich am Freitag treffen. „Der Ruf eines Unternehmens ist ein kostbares Gut“, sagte Le Maire drohend. Man werde nicht zulassen, dass die französische Nahrungsmittelindustrie insgesamt in Mitleidenschaft gezogen werde.

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