Versorgung auf dem Land gefährdet
Arznei-Sparpaket bringt Apotheker in Nöte

Das vom Bundestag verabschiedete Arzneimittelsparpaket ruft die Apotheker auf dem Plan. Da der vorgesehene Wegfall der Einkaufsrabatte auf rezeptpflichtige Arzneien nur durch das Geschäft mit rezeptfreien Produkten ausgeglichen werden kann, sehen sich vor allem kleine Apotheken existenziell bedroht.

FRANKFURT. „Auf dem Land kann das zu Versorgungsengpässen führen“, sagt Peter Homann, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands. Seit Jahren tragen die großen Hersteller patentfreier Nachahmerpräparate (Generika) den Wettbewerb vor allem über Rabatte aus. Das kann zum Beispiel so aussehen: Der Apotheker ordert bei Hexal, Ratiopharm oder Stada vier Packungen eines Medikaments und erhält die fünfte Packung gratis. Der Krankenkasse darf er bislang alle fünf Pakete in Rechnung stellen, wodurch sich sein Gewinn erhöht. Je nach Verhandlungsgeschick und Abnahmemenge variiert das Verhältnis zwischen bezahlten und gratis gelieferten Packungen nach Informationen aus der Branche erheblich.

Nach dem Willen der Regierung müssen die Apotheker diesen Rabattvorteil künftig an die Krankenkassen weitergeben. Ob diese Regelung den Kassen zugute kommt, ist jedoch zweifelhaft, weil Rabatte den Generikafirmen künftig keinen Wettbewerbsvorteil mehr verschaffen. „Wieso sollten wir die Rabattschlacht weiterführen?“, fragt ein hochrangiger Manager einer Generika-Firma. Die großen Anbieter sehen den Wegfall daher als Entlastung.

Für die Apotheker, die den branchenüblichen Rabattvorteil fest einkalkuliert haben, ist die Neuregelung dagegen ein Drama. „Der Rohgewinn der Apotheker sinkt dadurch im Schnitt um zehn Prozent“, schätzt Matthias Rudolph, Besitzer der Pinguin-Apotheke in Wuppertal. Die einzige Möglichkeit, die den Apothekern bleibe, seien Einsparungen beim Personal.

Apotheken, die weniger als eine Million Euro im Jahr umsetzen, hätten künftig kaum eine Überlebenschance, pflichtet ihm Petra Dembinski bei, die mit ihrem Mann die AEZ-Apotheke in Essen betreibt. „Wenn das große Apothekensterben ausbleibt, liegt das vor allem daran, dass die Apotheker nicht ohne weiteres aus ihren Mietverträgen kommen“, sagt sie.

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